Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1899)
- Date
- 1899-02-01
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2969669-2969865-2969868--5609-2974917- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
28 Daß alles Andere in der Bibel, Talmud, Midrasch u. s. w. seinen Wert und seine Bedeutung haben mag, aber die Morallehre, die Ethik, ist der Kernpunkt der jüdischen Lehre aller Zeiten. Das ist aber gerade das, was das reformatorische Judentum immer als Norm aufgestellt hat, und die Orthodoxie heute noch nicht anerkennt. Das hat Professor Lazarus wissenschaftlich begründet und systematisch ausgeführt; und seine orthodoxen Kritiker wie bei dem zionistischen „Geheimnis" sind politische Gaukler. Deborah. Km Wrief des verstorbenen Kerrn W v. Kgidy an den Herausgeber der WonatsbMtter. Großenhain, 10. März 1891. Sehr geehrter Herr! Ich danke Ihnen aufrichtig für die Zusendung Ihrer gehaltvollen und mir deshalb sehr werthvollen Besprechung der „Ernsten Gedanken" — ich sagte: „mir" meinte aber die heilige Sache, der ich diene und der auch Sie dienen. Mit genau demselben — berechtigten — Empfinden, unter dem Sie meine Gedanken für Ihre Religionsgenossen in Anspruch nehmen, nehme ich Ihre Gedanken kür das Christentum in Anspruch. — Kämen wir beide heute „irgendwo in fernen fremden Landen" zusammen und sprächen recht tüchtig über Religion, ohne einander zu sagen, welchem sogenannten Glauben wir angehören, wir würden in schönster Harmonie die reinen Empfindungen unseres Herzens zusammenklingen lassen. — Warum -soll das nun nur jenseits des Ozeans oder beim Durchqueren von Afrika möglich sein. Müssen wir uns denn im Vaterlande, in Europa, ans der Welt getrennt gegenüber stehen? Soll denn nie die Zeit „erfüllet" werden? Wollen wir uns in einer Zeit, da wir das Wehen einer Göttlichen Unmittelbarkeit abermals und mit klarstem Bewußtsein empfinden, mit und uni Benennungen streiten? wollen wir nicht Jeder an seinem Teile: „opfern" — : — „Vorurteile, Überlieferungen, Hoffnungen, Groll, erlittene Unbill"? Wer wird der Größeste unter uns sein? „wer am meisten gegeben!" — Sie werden mich verstehen; ich spreche absichtlich nicht vereinzelter — klar genug ist es für Jemand, der die Ernsten Gedanken so verstanden wie Sie. — Und Sie werden mich auch in den folgenden mit vorigen Sonntag beendeten Veröffentlichungen verstehen — ich weiß genau, was ich meine. Was heut und morgen vielleicht noch unausführbar, kaum angezeigt erscheint — in Bälde kann es möglich, kann es „gut" sein; warum wollen wir dies Gute also nicht immer vorbereiten? So lange es von den Besten in beiden Seiten immer noch als eine „Unmöglichkeit" hingestellt wird,