Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1899)
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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18 berg gewählt. Letzterer hat für das jüdische Gemeindewesen von jeher ein lebhaftes Interesse bekundet, an den Verhandlungen des Gemeindebundes teilgenommen und es steht zu hoffen, daß er etwaigen Angriffen gegenüber die Sache des Judentums mit Verständnis und Wärme vertreten wird. — Im Verein für jüdische Geschichte und Litteratur in Kerlin sprach Herr Rabbiner Dr. Rosenberg aus Thorn über Kohelet und Faust. Der Vortragende stellte interessante Vergleiche zwischen diesen beiden Dichtungen an, welche, obwohl zu verschiedenen Zeiten entstanden, doch in ihrer Grundtendenz völlig übereinstimmen. — Rabb. Dr. B. Levi in Gießen feierte jüngst sein 70jähriges Doktorjubiläum. Bei diesem Anlaß überreichte ihm der Dekan der philosophischen Fakultät, Professor Behrens, eine herzlich abgefaßte Glückwunsch-Adresse. — Der Neubau der israelitischen Kinderheilstätte in Sad Manheim ist jetzt fertiggestellt. Der Bau ist das Werk der Freifrau von Rothschild in Frankfurt a. M. und verursachte einen Kostenaufwand von circa 200 000 Mk. In der verflossenen Saison wurden in der bisher in Mietslokalen untergebrachten Anstalt 118 Kinder verpflegt, 64 Knaben und 54 Mädchen. Die behandelten Krankheiten waren vornehmlich Anaemie (65) und Skrophnlose (35) rc. Der Heimat nach waren die Kinder zum größten Teil aus Frankfurt a. M., Köln, Kassel, Straßburg. Die Pfleglinge hatten sämmtlich Freistellen, sie wurden sogar auf Kosten der Anstalt von der Heimat abgeholt und ebenso wieder zurückgebracht. — Gelegentlich einer Besprechung von Max Nordaus „Doktor Kohn" schreibt ein Feuilletonist der Frankstlrter Zeitung: „Es ist gar keine Frage, daß sich gegenwärtig im Judentum eine tiefe, innere Wandlung vollzieht. Die heiligen Traditionen zerfallen in Staub, gleich jenen Urnen, die man .in alten Gräbern findet. Die Religion hat bei Vielen die Reste ihrer Autorität eingebüßt, die zelotischen Heimat- und Sehnsuchtsempfindungen trüben und verlieren sich. Der junge Jude, sofern er überhaupt als Persönlichkeit in Frage kommt, ist allen Reizen einer verfeinerten Kultur in hohem Maße zugänglich. Es ist, als ob diese Seelen unmittelbar ans der Nacht des Mittelalters kommend, geblendet worden wären von überraschendem Licht, als ob dieser Einbruch neuen Lebens sie nur um so stürmischer mit forteißen wolle. Viele jüdische Frauen, fein und intelligent, leidenschaftlich und thatendurstig, befreien sich von tausendjährigen orientalischen Einflüssen und wollen theilnehmen an Allem, was das Leben sie bisher nur ahnen ließ. Der wirklich moderne Jude, innerlich freigeworden durch eine hinter ihm liegende Periode gesellschaftlicher Toleranz, fängt an, sich selbst als Jude wiederzufinden, die Merkmale seiner Rasse und seiner Nation mit Hilfe dieser neuen und freien Cultur zu veredeln, an der er aufs innigste teilgenommen hat. Nicht wie bisher sucht er sein Glück darin, Angehöriger einer Kaste, der jüdischen, zu sein, sondern er ist bestrebt, für sich eine Persönlichkeit, und zwar eine jüdische Persönlichkeit zu bilden, frei von aller Scheu, von allen Sklaven-Manieren, von allen Sentimentalitäten des Verirrtseins, des