Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1899)
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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16 Stück schrieb, dessen jüdischer Held als ein Muster von Abscheulichkeit hingestellt wurde, wodurch der Haß gegen die Juden nur noch vermehrt sei. Demgegenüber, und darin liege das Verbindungsglied zwischen dem jüdischen Leibarzt Lopez und Shylock, habe nun Shakespeare in letzterem einen Juden geschildert, der dem psychologisch unmöglichen Ungeheuer des Christoph von Marlow als wahrscheinlicher Mensch gegenübertrat. Zwar einen edlen Juden durfte Shakespeare in der damaligen Zeit nicht schaffen, um sein Stück nicht von vornherein dnrchfallen zu sehen; aber Shylocks Grausamkeit sei im gewissen Sinne berechtigt und in seiner Hinneigung zu seiner unwürdigen Tochter verkörpere er die den Juden eigene Liebe zu ihren Kindern. Dies ungefähr der Inhalt des geschichtlich wie psychologisch interessanten Vortrages, den Herr Prof. Philippson mit der Mahnung und mit dem Wunsche schloß, daß alle Juden treu zusammenhalten mögen in dein Jahrtausende alten Glauben ihres Stammes, andererseits aber auch in treuer Liebe zum Vaterlande. — In Glogau starb im Alter von 56 Jahren Herr Rabbiner Dr. Benjamin Kippner. Ein Mann von seltener geistiger Begabung, von Biederkeit der Gesinnung und Adel des Empfindens, hat er nicht nur in seiner engeren Wirksamkeit segensvoll gewirkt, sondern durch seine schriftstellerische Tätigkeit auf weite Kreise mächtig eingewirkt. Sein Andenken bleibt ein gesegnetes I — Anläßlich der Begründung des hundertsten „Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur" ist eine Stiftung als Fonds für Wanderredner ins Leben gerufen worden, für die von Privaten und Vereinen ansehnliche Beiträge gespendet wurden, und die mit einer früheren Schenkung zusaminen bereits den Betrag von ca. 8000 Mark erreicht hat- — In Main; wurde ein Verein für jüdische Geschichte und Litteratur gegründet, der jhundertunderste in Deutschland. — Eine jüdische Lesehalle, zu welcher jedermann der Zutritt frei steht, wurde im israelitischen Gemeindehause zu Kreslau seitens der Synagogengemeinde errichtet; in derselben werden sämmtliche deutsche und alle bedeutenderen ausländischen jüdischen Zeitschriften, sowie die neu erscheinenden philo- und antisemitischen Broschüren ausgelegt. Der Lesesaal ist geöffnet Sonntags von 4—8 nachmittags, sowie Dienstags und Donnerstags von 7x/2 — 91/a Uhr abends. — Die königliche Akademie der Wissenschaften zu Kerlin hat den Chef-Jngenier der Minen, Auguste Michel Lsvy, Mitglied des Institut äs France, in Paris, zum korrespondirenden Mitgliede iit ihrer physikalischen-mathematischen Klasse gewählt. — Die „Palatina" in Speier zählt in einem Berichte die Belohnungen auf, die am kurfürstlichen Hofe in Heidelberg im 17. Jahrhundert ansgeteilt wurden. Die Komödianten, Hofnarren, Poeten und Drillinge erhielten je 3 Gulden, Bürenfänger und Seiltänzer bekamen mehr. Ein fast „königliches Honorar" erhielt ein Musikus, „um sich besser zu kleiden" (l5 fl.), während „dem Juden, welcher in der Judenschul gesungen" nur 3 fl. gegeben wurde», ebensoviel „für der Judenspielleute von Mannheim, so vor Knrfalz gespielt." — Herr Landesrabbiner Dr. Gronemann in