Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1899)
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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15 der Juden Jerusalems. Ich freue mich, daß es mir vergönnt ist, denselben Weg zu wandeln, wie mein hochseliger Vater, und bin aufrichtig erfreut über die liebenswürdige Aufnahme. Bestellen sie der jüdischen Gemeinde meinen wärmsten Dank." Hierauf stimmten die Schulkinder eine hebräische Hymne an und sangen „Heil Dir im Siegerkranz". Der Chacham Baschi erhielt den Kronenorden zweiter Classe. — Das deutsche Kaiserpaar hat während des Aufenthalts in Jerusalem auch die Gräber der jüdischen Könige besucht, in denen David, Salomo und noch 14 andere jüdische Könige ruhen. Die Gruft wurde, der Tradition zufolge urj sprünglich von David angelegt; ein jeder seiner Nachfolger auf dem Throne hat dann ein neues Gemach für seinen Sarkophag hinzugefügt. In diesem Gemache wurden auch viele Kostbarkeiten der Verstorbenen, nicht selten sogar deren Krone und Szepter verborgen. Bei der ersten Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar blieb die Gruft verschont. Dagegen hat später der jüdische König Hyrkan, als er sich einmal in Geldverlegenheit befand, einige der Gräber geöffnet und sich i deren Schätze angeeignet. Bei der Zerstörung Jerusalems durch die Römer wurde - die Gruft abermals geplündert, Titus brachte damals eine Menge jüdischer - Kleinodien, darrinter auch die Salomo gehörende, fünf Centner schwere, goldene i Fruchtschüssel, nach Rom. Als später der Vaudalenkönig Geiserich Rom plünderte, ] schickte er ein ganzes Schiff mit jüdischen Kleinodien, darunter auch die Schüssel nach Karthago. Das Schiff scheiterte jedoch bei den liparischen Inseln und ver-! sank. Nach der Eroberung Jerusalems durch die Kreuzfahrer stellten diese auf der Gruft ein hölzernes Kreuz auf, das aber Saladin nach der Rückeroberung '] Jerusalems wieder zertrümmern ließ. Von der Gruft ist jetzt nur das Grab Davids zugänglich. Das Gemach wird von Öllampen erhellt, während auf dem mit einem Erdhügel bedeckten Sarkophag eine grünseidene Decke, ein Geschenk des! Sultans ruht. Eigentümerin der Gruft ist die französische Regierung, welcher dieselbe von den Söhnen des Pariser Bankiers Pereise zum Geschenk gemacht i wurde. — Im Verein für jüdische Geschichte und Litteratur in Magdeburg hielt i Herr Prof. Dr. Philippson einen sehr interessanten Vortrag über das Thema : j „Ein jüdischer Leibarzt der Königin Elisabeth und Shakespeares Shylock." Äußerlich scheinen diese Charaktere nichts mit einander gemein zu haben, aber der Vor-; tragende führte sie innerlich desto näher zusammen und legte dar, wie letzterer aus dem ersteren hervorgegangen sei und ohne diesen gar nicht möglich gewesen wäre. - Der Vortrag versetzte in die Zeit der allbekannten und im gewissen Sinne sogar ] berüchtigten Königin Elisabeth von England mit ihrer Günstlingswirtschaft. Der Redner schilderte, wie der jüdische Leibarzt der Königin, Lopez, unter der Beschuldigung, seine Herrin vergiften zu wollen, von seinen Gegnern gestürzt und vernichtet wurde. Und weil Lopez ein Jude war, sei der damals ohnehin schon bestehende Judenhaß noch in bedeutender Weise verstärkt worden, was schließlich i darin gipfelte, daß der damalige englische Dichter Christoph von Marlow ein