Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1899)
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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13 schaft der Araber in Spanien haben. Wenn wir die Gesänge des „Lol nidro" und „Aboclah" näher betrachten, so fällt es auf, daß der Text der schmerzerfüllten, tief ergreifenden, oft leidenschaftlich erregten Melodien wenig entspricht. „Lol nidre" enthält die Bitte um Lösung der Gelübde und Schwüre, die wir in Übereilung gethan und deshalb bereuen und die „Abodah" erzählt in schlichten Worten von den Priestern und dem Volk, die beim Anhören des göttlichen Namens sich auf ihr Angesicht niederwarfen. Während die Melodien uns ergreifen, entbehren die Worte jeglichen poetischen Reizes. Der poetische Text hat hat hier die Phantasie der Komponisten nicht befruchtet. Text und.. Melodie dieser wie anderer Gesänge müssen daher ganz unabhängig von einander entstanden sein. So wird auch das „Lol nidro" in den italienischen Synagogen nicht nach der gewöhnlichen Melodie gesungen. So steht auch der ernste Inhalt des,, Moaus zur" am Chanukah und der „Ledowid boruch" (Ps. 141) am Ausgang des Sabbaths im entschiedenen Widerspruch zu den heiteren Musikweisen, so daß man zur Annahme geneigt ist, der Komponist habe den hebräischen Text ganz nnbeachtet gelassen Die Melodie der Lieder „Zur miscliloh uchalnu borchu emunoh" stimmt mit der von „Mit dem Pfeil und Bogen" aus Wilhelm Tell, welche Oper in Berlin 1804 zum ersten Male anfgeführt wurde. In Spanien waren es besonders die Melodien der Araber und in Frankreich die der Troubadours, welche ihre Wirkung auf den synagogalen Gesang ausübten. Die Reception fremder Musik bei den Inden ist eine Thatsache. Zn den Synagogen des Ostens fanden orientalische und türkische, in denen des Westens romanische und slavische Gesangweisen Eingang. Gewiß gab es jüdische Volkslieder im Altertum, wie es eine specifisch jüdische Musik gegeben, aber sie ist untergegangen und wir besitzen in unserer Synagogenmnsik durchaus keine Reste alter Tempelmusik. Die Siugweise der Synagoge war von der Singweise der Völker, unter deren Mitte die Juden lebten beeinflußt und auch sie ist uns wert und heilig, wenn sie auch nicht aus dem jüdischen Volksgeiste herausgewachsen. * i Anregung zur Errichtung eines Ieierabendhauses ] für israelitische Lehrerinnen und Erzieherinnen, \ In der festen Überzeugung, daß dieses Blatt, welches unsere gemeinsamen - Interessen wahrnimmt, seine Spalten zu einem Gedankenaustausch betreffs einer guten Sache widinen wird, erlaube ich mir, inich mit einigen Zeilen an die Öffentlichkeit zu wagen. Mit wahrem Interesse die Bestrebungen der Frauenwelt, besonders auf dem Gebiete des Unterrichts und der Erziehung verfolgend, hatte ich auch nach allen Richtungen Auskunft über die bestehenden Anstalten eingezogen, welche den jüdischen Lehrerinnen in späteren Jahren ei» Heim bieten. , J