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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-01-01 · Heft 1 (1.1.1899) · p. Seite 7

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 1 (1.1.1899)
Date
1899-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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eine besondere Nation ausmachten. Demnach sind auch die Gebote, welche mit den alten Sitten des Orient, mit dem Priester- und Opferdienst in Jerusalem und mit den Laudesverhältnissen Palästinas verknüpft waren, hinfällig geworden, so die Speisegesetze u. A. Der Sabbat, der schon nach alter Lehre „in unsere Hand gegeben ist" — um uns zur Weihe des Herzens und der Gesinnung zu. dienen, kann auf einen bürgerlich freien Tag verlegt werden, wenn er an dem herkömnilichen, der allerdings als der historische anzuerkennen ist, seinen heiligenden Zweck für die Gemeinde nicht zu erfüllen vermag. Ebenso sind alle überkommenen Ceremonieen nur soweit beizubehalten, als sie noch jetzt zur Unterstützung und Verdeutlichung wichtiger Wahrheiten und religiöser Lehren dienen können und der Bildungsstufe der Gegenwart entsprechen. Dagegen müssen alle diejenigen Bräuche beseitigt werden, welche das fortgeschrittene Glaubensbewußtsein stören, zu Irrtum und Aberglauben Anlaß geben und zu Mißverständnissen über den hohen und lauteren Charakter unserer Religion führen. Sowie das Opfer aufgehört hat, obwohl es einst den wesentlichsten Akt des Gottesdienstes und die heiligste Ceremonie unserer Religion ausmachte, weil es der höheren Stufe der Erkenntnis weichen mußte, so müssen alle Bräuche gerade um die Wirksamkeit der Religion zu erhöhen, nach dem Bildungsstande ihrer Bekenner umgestaltet werden." Nach diesen Ausführungen die uns einen Einblick in die Geschichte, in das Wesen und die Bedeutung der Berliner jüdischen Reformgemeinde gewähren, ist es nun an uns, den Geist derselben, von dem auch wir beseelt und erfüllt sind in unserer Mitte zur Geltung gelangen zu lassen. Es sind, glaube ich, im Laufe der Jahre in freisinnigen Vereinen der Worte genug gewechselt worden und es wäre endlich an der Zeit die Prinzipien der Reform in die Praxis umzusetzen und statt Worte zu machen, Thaten in's Leben zu rufen. Es ist die höchste Zeit, wenn wir die Heranwachsende Jugend retten, wenn wir dem Verfall und Abfall steuern wollen,, die immer mehr um sich greifen, mit der Neugestaltung des Judentums endlich in unserer Mitte einmal Ernst zu machen. Was als ehrliche, feststehende Gesinnung in uns lebt, dafür müssen wir auch den Mut haben mit Eifer und Begeisterung einzutreten und die geläuterte Erkenntnis allein wäre wertlos, wenn sie nicht zum lebendigen Bekenntnis sich gestaltete. Wenn unser Streben und Wirken von solchen Gesinnungen erfüllt, von solchem Geiste geleitet sein wird, dann wird unsere Thätigkeit uns selbst zum Segen gereichen, dem Judentum zur Ehre, der Menschheit zum Heile!

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