Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1899)
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 binisch-talmudischeu Judentums weithin öjfnuut geworden war, und an der vom Philantropin ausgegangnen und geleiteten „Andachtsstunde" einem Gottesdienst in welchem der radicalsten Reform Rechnung getragen wurde, erfolgreich gewirkt hat, Erst nach seinem Tode traten seine Freunde und Anhänger, gleichsam um sein Vermächtnis zu wahren und seinen Geist festzuhalten, zusammen, nttd gründeten im Oktober 1842 den „Verein der Reformfreunde", der für die geistige Entwicklung nicht nur der Frankfurter Gemeinde von Wert und Bedeutung gewesen, sondern auch nach außen hin die Geister geweckt und die Schaaren der Kämpfer gemehrt hat. Auch im Hamburg, woselbst im Jahre 1817 der Tempelverei» gegründet wurde, hat die Reform Boden und Anhang gefunden und als im Jahre 1841, zur Zeit als Gabriel Riester Sitz und Stimme in der Verwaltung hatte, ein neues Gebetbuch ausgegeben wurde, in welchem die national-messianische Hoffnung keinen Platz gefunden und zudem noch die deutsche Sprache neben der hebräischen zur Geltung gelangte, da durchdrang ganz Israel die verketzernde Stimme der treuen Zionswächter und in Hamburg selbst wurde am 16. Oktober 1841 in drei Synagogen, eine verdammende Bekanntmachung gegen das neue Gebetbuch, wie gegen Alle, die hiervon bei ihrer Andacht Gebrauch machten, erlassen. Doch diese reformistischen Bestrebungen, die auch in den Rabbinerversammlungen zu Braunschweig 1844, Frankfurt a. M. 1845, Breslau 1846 mehr oder minder ihren Ausdruck und ihre Verfechter fanden, haben nicht die Wirkung und Bedeutung erlangt, die man von ihnen erhoffte, sie waren die Vorboten nur j e n e r Reform, die in Berlin von dem im Jahre 1821 gegründeten „Verein für Cultur und Wissenschaft der Juden" ursprünglich ausgehend, dadurch einen großen bleibenden Erfolg erzielte, daß man sich ilicht begnügte über Reformen nur zu schreiben und zu sprechen und einer Augenblicksstimmung folgend, bald hier bald dort verbessernd einzugreifen, sondern daß man sich besonnen aber auch entschieden zu einer That aufraffte und in der Gründung der jüdischen Reformgemeinde den Ideen der Neuzeit einen Boden geschaffen haben, auf welchem sie wachsen und gedeihen sollten. Sollte die Reform festen Boden gewinnen, so mußte sie aus einer inneren Geistesentwicklung hervorgehend, sich auch auf die jüdische Wissenschaft gründen und berufen können, welche in genanntem Vereine durch die von Leopold Zunz 1823 begründeie „Zeitschrift für die Wissenschaft des Judentums" und durch die 1832 erschienenen „Gottesdienstlichen Vorträge" ihre Auferstehung feierte und später durch Abraham Geiger ihren bedeutendsten Vertreter, eine führende, wegweisende Stellung in der Entwicklung der Reform des Judentums erlangt hat. Die Berliner Reform ist aus einem inneren Bedürfnis in Klarheit und, Consequenz entstanden, ohne daß sie von irgend welchen äußerlichen, sei es politischen, sei es sozialen Beweggründen geleitet worden wäre und darin, daß sie aus dem veränderten religiösen Empfinden einer großen Gesammtheit hervorgegangen,