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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-01-01 · Heft 1 (1.1.1899) · p. Seite 2

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 1 (1.1.1899)
Date
1899-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 mente innerhalb der Judenheit daraus lernen, sich fest und einig um das alte. Banner der Reform zu schaaren, treu zusammenzuhalten und mutig und zielbewußt für den Auf- und Ausbau des modernen Judentums ihre besten Kräfte einzusetzen. Ja es waren herrliche Zeiten, die Tage des geistigen Aufschwunges in den vierziger Jahren, als es anfing überall zu grünen und zn blühen, als das alte Judentum, über das der Winter der Erstarrung gelagert war. sich in Frühlingsschmuck gekleidet und die äußere und innere Befreiung von Knechtschaft und Geistesdruck endlich die Verheißung erfüllen sollte, die Jahrhunderte lang seit den Tagen der Propheten unser Sehnen und Hoffen, unser Wünschen und Wolle», unseren Stolz und unsere Ehre ausmachten. Ein Rückblick in solche Vergangenheit ist lehrreich, nicht nur für die Gegenwart sondern auch wegweisend für die Zukunft, er zeigt uns, indem wir das Wesen und die Bedeutung der Reformbewegungen erkennen und erfassen, genau und klar an, wohin wir unsere Bestrebungen zu lenken, von welchen Gesichtspunkten wir auszugehen und welche Ziele wir zu verfolgen haben. Als den Juden in Deutschland die Pforten der Bildung sich geöffnet und ihr Geistesblick geschärft und erweitert wurde, als die Wilhelmsschule in Breslau, gegründet 1791, die Freischule in Berlin, 1798, die Franzschule in Dessau 1800, die Jacobson-Schule in Seesen 1801, das Philanthropin in Frankfurt a. M. - 1804, die Samsonschule in Wolfenbüttel 1807, und noch andere, geistige Saaten ausgestreut, die zu herrlichen Früchten heranreifteu, da sing man auch an das Judentum, feilte Lehre und seine Geschichte zu erforschen und seinen geistigen Gehalt zu ergründen und klarzulegen. Es erstand dadurch ein gewaltiges geistiges Ringen und Kämpfen und der Widerspruch zwischen Lehre und Leben, zwischen Wissen und Herkommen trat immer mehr und mehr zu Tage. Das Judentum in seiner historischen Gestaltung mit der auf sie sich aufbauenden praktischen Religionsübung erwies sich durch die in Folge fortgeschrittener Forschung und Erkenntnis geltend gewordene höhere Auffassung, als unhaltbar, wodurch das Bedürfnis nach einer gründlichen Reform, das besonders bei den deutschen Juden tief empfunden wurde, immer dringender, immer unabweislicher sich herausstellte. Und namentlich waren es die Großgemeinden, woselbst die Quellen der Bildung reichlich flössen und wo auch auf den Religionsunterricht im Geiste der modernen Wissenschaft des Judentums große Sorgfalt verwendet wurde, in welchen die Reformbestrebungen ihren Anfang nahmen und nach Gestaltung rangen. So . in Frankfurt a. M, wo am Philanthropin eine schöpferische Kraft wie Michael; Heß, ein Bibelkenner wie Joseph Johlsohn, ein Historiker wie Jsaac Marcus s Jost, ihr ganzes Leben und Wirken in den Dienst des modernen Judentums ge-! stellt haben, woselbst eine Reformpartei heranwuchs, deren Seele und Säule l Michael Creizenach gewesen, der durch seine Schriften zur Bekämpfung des rab-

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