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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-12-01 · Heft 12 (1.12.1898) · p. Seite 287

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 12 (1.12.1898)
Date
1898-12-01
Page
Seite 287 (sequence 23)
Language
German
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287 erschienenen Drama „Dr. Kohn", welches er ein bürgerliches Trauerspiel aus der Gegenwart" betitelt, ein Tendenzstück, in dem er die trostlose Lage schildert, die einem vornehm denkenden, hochgebildeten Juden durch den Antisemitismus bereitet wird. In früherer Zeit war es ein beliebter Vorwurf den Gegensatz zwischen Adel und Bürgertum dramatisch zu gestalte», und auch heute begegnen wir noch manchmal diesem Versuche, wenngleich die nivelirende Zeit dafür gesorgt hat, daß er in der Wirklichkeit nicht mehr die große Rolle spielt. Die Unterschiede zwischen Adel und Bürgertum sind nicht mehr maßgebend, nicht mehr so tief einschneidend, daß sie nicht ohne besondere Schwierigkeit übersprungen werden könnten und oft genug auch übersprungen werden, so daß man an einen hieraus abgeleiteten tragischen Konflikt, wenn er uns auf der Bühne entgegentritt, nicht mehr recht glaubt. Dagegen sind die gesellschaftlichen Gegensätze zwischen Christentum und Judentum geblieben und sogar im letzten Jahrzehnt derartig verschärft worden, daß die von Nordau geschilderten Vorgänge sich sehr wohl in der Gegenwart zugetragen haben könnten. Der Verbindung eines hochbedeutenden jungen jüdischen Gelehrten mit einem durch Reichtum, Schönheit und Geist ausgezeichneten Mädchen steht nichts anderes entgegen als die jüdische Abstammung des Dr. Kohn, der sich weigert» durch Austritt ans dem Judentum sich die Erlangung der Hand der Geliebten zu erleichtern. Die Frage, ob es statthaft sei, vom Judentum ohne innere Überzeugung zum Christentum überzutreten, wird in psychologisch interessanter Weise abgehandelt, insbesondere nach der praktischen Seite hin, daß ein solcher Übertritt nach Nordaus Ansicht auch praktisch bedeutungslos sein soll, da der Arier den übergetretenen Juden doch niemals als vollwertigen Christen und Deutschen anerkennne. Die notdürftig übertünchten, bei dein ersten nachdrücklichen Hervortreten der antiseniitischen Frage aber grell in die Erscheinung kommenden unerfreulichen Verhältnisse in einer Mischehe dienen Nordau, um seinen Satz von der Unverschmelzbarkeit des Christentums und des Judentums zu beleuchten, wobei allerdings das gewählte Beispiel mit allen Schroffheiten ausgestattet ist, die man sich auf dem Wege der Cumulirung nur Zusammentragen kann. Ein adelsstolzer, orthodoxer Geistlicher, ein dem studentischen Antisemitismus zugethaner Korpsstudent, ein in exklusiven Ehrbegriffen erzogener Offizier bilden ein Milieu, wie es zur Deuionstration von Nordaus These nicht geeigneter sein kann. Über die schwierige Frage, ob „Dr. Kohn", so wie er in der Buchausgabe vorliegt, zur Aufführung geeignet ist, ist nur schwer ein Urteil abzugeben. Die theoretische Auseinandersetzung nimmt in den Dialogen einen größeren Raum ein, als mit der Forderling von der fortschreitenden Handlung vielleicht verträglich ist, ein Übelstand, dem aber leicht durch Striche abzuhelfen sein würde. Die eigentliche Schwierigkeit der Aufführung scheint uns darin zu liegen, daß der betreffende Theaterdirektor mit einiger Berechtigung besorgen muß, sein Theater könne durch das Eingreifen antisemitischer Ruhestörer zum Schauplatz wilder Unordnungen

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