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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-12-01 · Heft 12 (1.12.1898) · p. Seite 285

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 12 (1.12.1898)
Date
1898-12-01
Page
Seite 285 (sequence 21)
Language
German
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285 gegangen, der die hebräischen Inschriften und vorarabische Archäologie erforschen soll. — Ein ungenannt sein wollender Wohlthäter in Wien hat der israelitischen Knltnsgemeinde den Betrag von 100 000 Gulden zur Errichtung einer Kaiser Franz Joseph-Jubiläumsstiftung mit der Bestimmung übergeben, daß der Vorstand dieselbe zu verwalten habe, und daß die Stiftungszinsen für Waisenkinder von in Wien Verstorbener zu verwenden seien. Derselbe hochherzige Ungenannte hat bei der niederösterreichischen Statthalterei behufs Errichtung einer Stiftung für Kinder von Gewerbetreibenden den gleichen Betrag erlegt. — Ein Pöbelhaufe erbrach unter antisemitischen Rufen die Synagoge in Kordeaur und zertrümmerte einige Einrichtungsgegenstände. — Über die französischen Juden schreibt der „Hann. Kour.": Unter den 11—12 000 israelitischen Familien in Paris giebt es 5—600, eher weniger, die sehr reich sind und in der Bank- und Börsenwelt eine hervorragende Stellung einnehmen. Hierin besteht die Macht des Pariser Judentums, die in dem auf mehrere Milliarden geschätzten Hause Rothschild gipfelt. Neben ihr wären noch (Furtado)-Heine, Fould, Dreyfus, Hirsch, Erlanger, Königswarter, Camondo, Ephrussi, Haber, Schnapper, Günzburg u. a. zu nennen. Alle diese Bankherren machen auch große Geschäfte im Auslande, bis nach Rußland und Südamerika. Sie geben viel Geld aus und besitzen Paläste, Landgüter, Rennställe rc. Rothschild ist mit 150 000 oder sogar 180000 Hektaren Landgüterund großem Hausbesitze in Paris der größte Grund und Weingutsbesitzer Frankreichs. Die weiteren 3000 bis 5000 israelitischen Familien, die sich eines größeren Wohlstandes erfreuen, beschäftigen sich zum guten Teil mit gewerblichen Unternehmungen jeder Art, auch mit Buchhandel und Presse. Der Handel mit Diamanten, alten und neuen Gegenständen der Kunst und des Kuusthandwerkes befindet sich zum großen Teil in jüdischen Händen. Drei bis vierhundert Juden sind Offiziere und Beamte, viele sind Ärzte, Ingenieure, Gelehrte, Professoren, Schriftsteller, Musiker, Schauspieler. Von den oben angeführten 500 bis 600 reichsten Judenfamilien giebt es nur wenige, die keine Christen unter ihren Mitgliedern zählen. Vier oder fünf Fräulein Rothschild sind getauft und mit Christen verheiratet, die Fürstin von Monaco, verwittwete Herzogin Richelieu, ist eine geborene Heine (aus New-Aork), eine andere Heine ist Herzogin von Elchingen; in mindestens dreißig bis vierzig Familien sind alle Töchter getauft und mit Christen verheiratet. Mehrere dieser reichsten Familien (Baron Oppenheim, Graf d'Auvers) sind ganz christlich geworden. Der französische Adel und das vornehme Bürgertum sind daher schon stark mit semitischen Familien verschwägert. — In Lille ist der Kapitän des ersten Artillerieiegiments M. Seligmann während der Manöver gestorben. — Samuel Gubini, durch viele Jahre das Haupt der medizinischen Schule von Pisa, ist im Alter von 57 Jahren gestorben. Die Beerdigung fand in Casale Monferrato statt, wo Rabbiner Servi die Leichenrede hielt. — Laut einem vor Kurzem aufgefundenen Dokumente lebte in London in der ersten Hälfte des vorigen Jahr-

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