Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1898)
- Date
- 1898-12-01
- Page
- Seite 284 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2969669-2969851-2969864--5566-2974872- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
284 völliger Nichtachtung bestehender rechtlicher Grundsätze, zu entehrender Strafe verurteilt. Die wenigen Männer, welche in heiligem Zorn der Vergewaltigung der Wahrheit entgegentraten, hat man gesteinigt, und ein verblendetes Volk glaubte, unter diesen Steinen die Wahrheit begraben zu haben. Heute beginnt die Wahrheit dort zu triumphieren und wird, wie wir hoffen dürfen, in kurzer Zeit Lüge und Niedertracht besiegt haben." So weit die Predigt, die sich bewahrheitet hat durch den Spruch des Kaffationshofes. — In Schirrhofen i. E. ist am 2. Oktober Herr Rabbiner Simon Levy, ein Freund und Mitarbeiter der Mouatsblätter im 60. Lebensjahre gestorben. Ehre seinem Andenken. — Der diesjährige Rektor magnificus der Wiener Universität, Herr Hofrat Dr. Gustav Mesner, hat in seiner im Festsaale der Wiener Universität gehaltenen Jnaugurationsrede „Die Beziehungen der Pflanzen-Physiologie zu den anderen Wissenschaften" in vollkommen objektiver Weise den jüngst verstorbenen Professor der Botanik an der Universität Breslau, Professor Dr. Ferdinand Cohn, lobend hervorgehoben mit den Sätzen: „Dessen möge die Heilkunde stets gedenken, daß die für sie so wichtig gewordene Bakteriologie den Botanikern ihre Entstehung verdankt. Es wurden nicht nur Bakterien zuerst von Botanikern genau unterschieden und beschrieben, es war auch ein Botaniker, der jüngst verstorbene Direktor des Breslauer pffanzen-physiologischen Instituts, Ferdinand Cohn, welcher bestimmte Bakterien zuerst als Verursacher von Krankheiten erkannte. Er war es auch, welcher die heute so populär gewordenen Gattungsnamen: Bacillen, Mikrococcen, Bakterien schuf. Welche Wichtigkeit die Bakteriologie für die Diagnostik und für die Witiologie der Krankheiten, für die; Hygienie und andere Zweige der gesammten Heilkunde erlangt hat, ist allgemein bekannt." — In Wien ist Herr Dr. Kach znm Gemeinderabbiner für die Synagoge in Ottakring ernannt worden. — In Wien soll ein israelitisches Kinderheim gegründet werden. — Dem Theologie-Professor Dr. Rohling, der durch seine Talmudcontroverse bekannt ist, wurde in Krag mit Beginn des heurigen Semesters das Recht, an der Universität Vorlesungen abhalten zu dürfen, entzogen. Ursache ist seine Schrift „Der Zukunftsstaat", die auf den Index gesetzt wurde. — Der Bischof von Ueutra in Ungarn war kürzlich auf seinem Gute in Wocsonk und; empfing bei dieser Gelegenheit eine Deputation der dortigen jüdische» Gemeinde, welche ihm hierbei mitteilte, daß sie die Absicht habe, eine neue Synagoge zu bauen. Der Bischof stellte den Juden ans seinem Privatvermögen eine namhafte Geldsumme zur Verfügung und veranlaßt« die Ortsbehörde, der jüdischen Gemeinde die Synagoge zu schenken. — Laut Personal-Verordnungsblatt wurden ernannt: Der Seelsorger in Kojetein, Nathan Steinhardt, zum k. k. Landwehr-Rabbiner und der Religions-Professor Maximilien Weiß in Budapest zum k. k. Feldrabbiner in der Armee. — Von der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien ist eine Expedition ausgerüstet worden, deren Zweck wissenschaftliche Forschungen im > südlichen Arabien sind. Mit dieser Expedition ist Herr Prof. Dr. D. H. Müller