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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-12-01 · Heft 12 (1.12.1898) · p. Seite 283

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 12 (1.12.1898)
Date
1898-12-01
Page
Seite 283 (sequence 19)
Language
German
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283 und ist in ihm zum ersten Male auch die neue Bernfsstatistik voll verwertet worden. Die Ziffer aller jüdischen Verbrecher ist nicht uiierheblich zurückgegangen: von 4767 im Vorjahre auf 4556, also um ca. 5 Prozent, während die Zahl aller Verbrecher von 444806 auf 447312 gestiegen ist. Also bei den Nichtjuden Zunahme, bei den Juden Abnahme der Verbrecher oder in anderer Weise betrachtet: nach der Zählung von 1895 bilden die Juden ca. 1, 10 Prozent der Gesammtzahl aller Deutschen, es konnten daher 4921 Verbrechen von Juden erwartet werden. Da aber nur 4556 vorkamen, so stehen die Juden um 8 Prozent günstiger als die Nichtjuden. Wegen Hoch- und Landesverrat rc. ist kein Jude verurteilt, wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte 70, wegen Hausfriedensbruch 124, wegen Verletzung der Wehrpflicht 289, wegen Zuwiderhandlung in Bezug auf die Konzessionspflicht rc. 137, wegen Zuwiderhandlungen betreffend die Bestimmungen gegen die Sonntagsruhe 587, wegen Vergehen wider die Sittlichkeit 2, wegen Beleidigung 821. Dagegen fand bei ihnen kein Mord, Totschlag, Kindesmord oder Blutschande statt. Wegen Körperverletzung wurden 571, Diebstahl 293, Unterschlagung 179, Betrug 370, Bankerott 107 verurteilt. — Aus einem Aufsätze von F. Mankowski über die Entwicklungsgeschichte des Städtchens Labischin ersehen wir, daß dort im 16. und 17. Jahrhundert viele Juden lebten. Handel und Gewerbe wurden durch die damals dort zahlreich vertretenen Juden bedeutend gefördert, welche in kommunaler wie rechtlicher Beziehung eine geschlossene Gemeinde bildeten. Ihre Synagogenordnung rührte von der palästinensischen her, weil sie zum Zweige der Aschkenasim gehörten. Im Anfänge dieses Jahrhunderts schätzte man die Einwohnerzahl L's auf 2000, wovon ein Drittel Jude» waren; im Jahre 1816 waren von 1390 Einwohnern 400 Israeliten. Im Ganzen gab es damals 126 Judengemeinden in der Provinz, darunter 42 mit mehr als 500 Mitgliedern. Die namhaften Gelehrten, die aus der Provinz Posen hervorgegangen sind, z. B. Fürst, Grätz, Rießer, Holdheim, Alsenthal, Stern, Jolowiez u. a. hatten in Labischin öfter Zusammenkünfte zur Erörterung wissenschaftlicher Fragen. — Man berichtet: Der erste Abschnitt einer Predigt, welcher ich in der Friedrich Werderschen Kirche in Srrlin beiwohnte, ist wohl wert, weiteste Verbreitung zu finden. Der Kanzelredner, dessen Name mir unbekannt ist, sprach über die Macht der Wahrheit und entwickelte etwa folgendes: „Auf einem Kirchhof in Hannover befindet sich ein Grab, dessen Steinplatte die Aufschrift trägt: „Dieses Grab soll in Ewigkeit nicht geöffnet werden." Ein kleines Samenkorn hat den Weg auf den Grabhügel gefunden, hat gekeimt und, zum Baum erstarkt, die Steinplatte gesprengt. So bricht sich die Wahrheit allenthalben Bahn, inögen auch noch so gewichtige Hindernisse ihrem Siege entgegenstehen. Bei solchen Betrachtungen lenkt sich unser Blick unwillkürlich auf die jüngsten unliebsamen Vorgänge bei unserm westlichen Nachbar. Dort hat man einen Mann des schimpflichen Verbrechens geziehen vor Jahr und Tag und wahrscheinlich unschuldig, jedenfalls aber unter

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