Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1898)
- Date
- 1898-12-01
- Page
- Seite 282 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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282 daß ein Volk, das durch so harte Leiden Jahrhunderte lang hindurchgegangen, noch den Sinn für das Schöne sich habe erhalten können, daß sein Naturell nicht finster und gewalthätig geworden sei. Auch die Mäßigkeit der Juden in Bezug auf die geistigen Getränke hob mein Vater gerne hervor. Sehr selten habe er einen Juden im Rausche gesehen. Natürlich gebe es unter ihnen, wie überall, auch abstoßende Elemente. Er spreche nach seinen persönlichen Erfahrungen, von dein gebildeten und wohlerzogenen Juden. — Fürst Bismarcks religiöse Ansichten bespricht nach persönlichen Mitteilungen ein englischer Schriftsteller folgendermaßen: Der Fürst sagte: Die Nützlichkeit des Gebetes aber liegt in der Unterwerfung unter eine stärkere Macht. Ich bin mir jener stärkeren Macht bewußt, die weder willkürlich noch launenhaft ist, und habe keinerlei Zweifel über ein zukünftiges Leben, denn das gegenwärtige ist zu traurig und unvollkommen, als daß es einer höchsten Individualität entsprechen könnte. Es ist offenbar nur ein Kampf, der vergeblich sein würde, wenn er hier endete, ich glaube an eine letzte Vervollkommnung. — Das israelitische Landesasyl in Gailingen, Friedrichsheim, ist am 5. Oktober eingeweiht worden. Die Errichtung hat 90 000 Mark erfordert. Das Asyl bietet zunächst 15 Personen Unterkunft. — Man schreibt »ns: Der in Kerlin am 16. Oktober znsaminengetretene Gemeindetag, dem der erste Verbandstag des Deutsch-Israelitischen Geineindeverbandes folgte, gewährte ein erfreuliches Bild. Aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands waren ernste angesehene Männer anwesend, die mit Eifer und Verständnis die Judenheit und das Judentum betreffende Angelegenheiten behandelten. So lange es solche Männer giebt, denen die Sache des Judentums nahe geht, braucht uns um dasselbe nicht bange zu sein. Zu wünschen wäre, daß keine Gemeinde in Deutschland dem Bunde fern bliebe, der am berufensten ist, als Vertretung der Juden Deutschlands, ein gewichtiges Wort bei der Neuordnung der Verhältnisse mitzusprechen. — Die in Karlsruhe zufammengetreteue zweite israelitische Synode beschäftigte sich hauptsächlich mit der Alters- und Hinterbliebenenversorgung der Rabbinen und Religionslehrer, sowie mit der Aufhebung der Lebenslänglichkeit der Anstellung der Mitglieder der obersten Behörde. — Frau Embden, die in Hamburg wohnende Schwester des Dichters Heinrich Heine, vollendete ihr 98. Lebensjahr in seltener geistiger und körperlicher Frische und Rüstigkeit. Sie spricht oft mit Rührung und Verehrung von der verewigte» Kaiserin Elisabeth, die bekanntlich vor zehn Jahren auf einer Fahrt nach England die alte Dame iu Hamburg besuchte und in angeregtem Gespräche über den Dichter lange bei ihr verweilte. Frau Embden ist auch im Besitze einer Photographie der Kaiserin mit eigenhändiger Unterschrift „Elisabeth". — Der Bankier Herr Max Heer in Frankfurt a. M. hat den oldenburgischen Haus- und Verdienstorden erhalten. — Ein neuer Jahrgang der vom deutschen statistischen Amt herausgegebenen Kriminalstatistik für das Deutsche Reich ist erschienen. Der Band umfaßt das Jahr 1896