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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-12-01 · Heft 12 (1.12.1898) · p. Seite 281

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 12 (1.12.1898)
Date
1898-12-01
Page
Seite 281 (sequence 17)
Language
German
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Heiligkeit des Festes nur im äußersten Falle zu verletzen. Tobias, ganz verwirrt, eilt nach den Tuilerien. „O, wie ich leide", ruft ihm der Herzog von Berry entgegen, „wenn ich doch schon von dieser Qual befreit wäre!" Tobias besichtigt aufmerksam den Fuß und berührt mehrmals mit dem Finger den Teil, wo die Hühneraugen sitzen. „O, o, Ihr thut mir weh!" schreit der Herzog. „Da sehen Sie Monsignore, es scheint eine Entzündung im Anzuge zu sein. Es würde hier gefährlich sein zu operiren. Haben Sie noch einen oder zwei Tage Geduld inzwischen wollen wir Kompressen anflegen. Dann komme ich wieder, um Sie von Ihren Leiden zu erlösen." Und durch diese Kriegslist entging Tobias der Gefahr, den heiligen Rosch-Haschanoh zu verletzen. Dieser aber übte noch lange Jahre hindurch seine Kunst mit immer steigendem Erfolge und samnielte dabei ein nicht unbedeutendes Vermögen. Im Alter von 85 Jahren sah man ihn noch rüstig auf seinen Stock gestützt, in den Elyseischen Feldern spazieren gehen und zu Fuß nach seinem Hause in der Rue Chavon zurückkehren. O. W. Wonatsschau. Der Sohn des verstorbenen Dichters Emil Ritterhans veröffentlicht im „Elberfelder General-Anzeiger" „Blätter der Erinnerung" an seinen Vater, denen wir folgende interessante Stelle entnehmen. „Sehr lebhaft wendet sich mein Vater in mehreren seiner Gedichte und Reden gegen den Antisemitismus. Er nannte ihn eine Gemütsrohheit, in vielen Fällen die Äußerung des Neides, daß andere durch Fleiß und Begabung es zu etwas gebracht hatten. Wo blieben denn Kunst und Wissenschaft ohne die materielle Unterstützung der Juden? Wer kaufte Bücher, ermöglichte vielfach das Bestehen von Theatern und sonstigen Kunstanstalten; wer erwerbe Gemälde, versorge Forscher und Erfinder mit Kapital zur Durchführung ihrer Pläne — wenn nicht die Juden? Er sei auf seinen Reisen oft in jüdische Familien gekommen, die ihn mit dein zartesten Verständnis seiner Wünsche aufnahmen. Manche herzliche Freundschaft sei daraus entstanden. „Bewundern mußte ich die Innigkeit des jüdischen Familienlebens, dies unverbrüchliche Zusammenhalten, worauf zum großen Teil die Macht des Judentums beruht, die pietätvolle Achtung der Kinder den Eltern gegenüber. Und: Interesse für Alles! — man kann jedes beliebige Theina anschlagen, immer findet man die artigste Aufinerksamkeit, den lebhaftesten Lerntrieb. Meine Gedichte ftauben nicht nur in den Bibliothekschränken, sondern was mehr heißen will, sie waren auch gelesen worden!" Auf den Witz der Juden ließ mein Vater nichts kommen. Seien wir doch froh, pflegte er zu sagen, wenn wir möglichst vwl witzige Köpfe haben! Übrigens erkläre ich die Gabe des Witzes und der Satire bei den Juden daraus, daß Witz die Waffe der Unterdrückten sei, — Darüber müsse man sich wundern,

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