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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-12-01 · Heft 12 (1.12.1898) · p. Seite 280

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 12 (1.12.1898)
Date
1898-12-01
Page
Seite 280 (sequence 16)
Language
German
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280 Kaisers, antwortete freimütig und sehr oft uiit gutem Witz, was letzteren zu ergötzen schien. So ließ Napoleon einst, nach dem Feldzuge 1805, in welchem er so viel Lorbeeren geerntet hatte, unfern Tobias in die Tuilerien rufen behufs der periodischen Entfernung der Hühneraugen. Tobias, der es sehr eilig zu haben schien, operierte mit solcher Schnelligkeit, daß Napoleon erschreckt zu ihm sagte: „Mein lieber Freund, wenn ihr so geschwind niachet, werdet ihr mich zu Grunde richten"; worauf Tobias ohne Zögern erwiederte: „Sir so geschwind werde ich nie machen können, wie Sie den Sieg von Austerlitz davongetragen haben! Als „kaiserlicher Hühneraugenoperateur" bezog Tobias ein festes Gehalt von 6000 Franken, trug eine Uniform, Claquehut und Degen. An der Thür seines Hauses in der Rue Chavon befand sich ein Schild mit dem kaiserlichen Wappen. Außer dem berühmten Kaiser Napoleon hatte Tobias auch die Mitglieder der kaiserlichen Familie und die hohe Aristokratie zu Clienten. Im Jahre 1815, als Papst Pius VII. in Fontaineblau eingeschlossen wurde, begab sich Tobias auf kaiserlichen Befehl zum Pontifex, um an ihm seine Operation zu machen, und dieser war so voll Bewunderung über seine Geschicklichkeit, daß er ihn sehr gut bezahlte. Als Tobias einige Tage später zu Napoleon kam, rief ihm derselbe entgegen: O, Tobias, ihr habt den heiligen Vater operirt! Ich habe mit ihm darüber gesprochen, und er hat mir Eure Kunstfertigkeit sehr gelobt; als ich ihm aber sagte, daß Ihr ein Hebräer seid, o, da hättet Ihr sein Gesicht sehen sollen." Und Napoleon brach in lautes Gelächter aus über den Scherz, den er sich gemacht hatte. Die kaiserliche Gunst und seine Stellung am Hofe hatten der Frömmigkeit unseres Tobias in keiner Weise Eintrag gethan. Er war ein täglicher Besucher der Synagoge in der Rue St. Avoye, bekleidet mit Perrücke und Toupet. Die Heiligkeit des Sabbaths entweihte er niemals und er wurde mit Recht als ein guter Israelit angesehep. Als das Kaiserreich gefallen war, hatte Tobias darunter nicht zu leiden. Was hat auch die Politik mit den Hühneraugen zu thun? Und die Bourbonen glaubten sich nicht zu entehren, wenn sie zu demjenigen Zuflucht nahmen, der den „Usurpator" Napoleon behandelt hatte. Einer der Hauptclienten unseres Tobias war der Herzog von Berry, Neffe Ludwigs XVIII., der ebenso wie Napoleon wußte, daß Tobias Jude sei. An einem Rosch-Haschana war Tobias in der Synagoge und betete mit dem größten Eifer, als er in sehr dringlicher Angelegenheit abgernfen wurde. Es war ein Bote vom Herzog von Berry, der ihn im Namen des Herzogs aufforderte, sofort zur Operation zu kommen. Man kann sich die Verlegenheit denken, in der sich der so religiöse Hühneraugenoperateur befand. Er fragte den Großrabbiner Michel Seligmann um Rat, und dieser riet zum Herzog zu gehen (eine Weigerung konnte damals böse Folgen haben), aber die

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