Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1898)
- Date
- 1898-12-01
- Page
- Seite 274 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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274 Frühzeitig in das Studium der Bibel und des Talmud eingeweiht, trat er 15 Jahre alt in das Gymnasium zu- Nordhausen ein. Er bezog nach Absolviruug des Gymnasiums die Universität zu Würzburg und besuchte die talmudischen Vorlesungen des Oberrabbiners Abraham Bing und setzte dann in Brauuschweig bei Rabb. Samuel L. Eger seine theologischen Studien fort. Im Jahre 1833 bezog er die Universität zu Berlin, wo er auch die talmudischen Vorlesungen der Rabbiner I- I. Öttinger und E. Rosenstein besuchte und den Unterricht von Zunz genoß, der damals Vorträge über die Psalmen und über jüdische Geschichte hielt. Am 8. April 1836 wurde Herzfeld auf Grund seiner Dissertation über die Chronologie der Richter in Berlin zum Dr. Phil, promoviert. Die Arbeit ist Zunz gewidmet. Herzfeld tritt dann, als Rabbinatsadjunct seinem greisen Lehrer an die Seite, anstatt nach Italien zu reisen. 1834 bewarb er sich um den Preis einer von der Berliner Universität ansgeschriebenen Arbeit, sah sich aber in seinen Hoffnungen getäuscht aber auch verletzt durch das Urteil: „daß man seiner Schrift eine lichtvolle Anordnung, einen fließenden Stil nicht absprechen könne, daß sie Spuren nicht kleinen Scharfsinns enthalte aber der — Verfasser sei so unverschämt, eine Erzählung der Bibel fabelhaft zu nennen, er habe auch keine Kenntnis der hebräischen Sprache." Wenngleich Herzfeld ein gründlicher Kenner der hebräischen Sprache war, wird man sich über dieses Urteil nicht wundern, wenn man bedenkt, daß der Zelot Hengstenberg der Kritiker und Preisrichter war. Ani 3. Dezember 1842 starb der greise Rabbiner Eger und Herzfeld wurde zu seinem Nachfolger als herzoglich Brauuschweig'scher Landesrabbiner ernannt, in welcher Stellung er bis zu seinem Tode 11. März 1884 verblieb. Er kannte den Zwiespalt zwischen Schriftsteller und Rabbiner nicht und hatte den Mut, was er als Schriftsteller erforscht als Rabbiner zu bekennen. 1838 erschien von ihm: Übersetzung und Erläuterung des Buches Koheleth. Um jene Zeit hat die jüdische Reformation ihr Knabenalter zurückgelegt, die Bewegungen in der Synagoge wurden immer ernster: Geiger gab seine Zeitschrift heraus. Alle Feinde einer wissenschaftlichen jüdischen Theologie fingen an zu rumoren. Damals erschien von dem Lebenswerk Herzfeld „Geschichte des Volkes Israel von der Zerstörung des ersten Tempels bis zur Einsetzung des Makkabäers Simon zum Hohenpriester und Fürsten" der erste Teil, dem 1854 der II. Band der Geschichte und 1856 der III. Band folgte. Ferner erschien von ihm „Metrologische Untersuchungen zu einer Geschichte des ebräischen resp. altjüdischen Handels" (Leipzig 1863—1865 2 Hefte), er veröffentlichte auch zwei Vorträge über die Kunstleistungen der Hebräer und alten Juden. 1883 gab er ein Werk „Einblicke in das Sprachliche der semitischen Urzeit betreffend die Entstehungsweise der meisten hebräischen Wortstämme" heraus. Er gehörte mit zu den Männern, die die Wissenschaft des Judentums begründeten und legte damit den Grund zu einer Reform des Judentums, des Gottesdienstes, des Jugendunterrichtes. Wie alle Männer von Wissen, verlangte