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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-12-01 · Heft 12 (1.12.1898) · p. Seite 269

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 12 (1.12.1898)
Date
1898-12-01
Page
Seite 269 (sequence 5)
Language
German
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269 mit diesen das Judentum stehe und falle, dem Judentum zum Schaden nicht zum Nutzen gereicht. Nicht alles, was in Zeiten blinder Verfolgung und fanatischen Glaubenshasses, nicht alles, was im Ghetto der Erhaltung des Judentums diente, kann diesem Zwecke heute dienen, wo aus dem Ghettojuden ein Staatsbürger geworden ist, trotz der von manchen Gesichtspunkten aus nicht verwunderlichen Reaktion gegen die Emanzipation und trotz des sich breit machenden, aber als reaktionäres Gebilde nicht lebensfähigen Antisemitismus. Nie hat es seit der Diaspora eine Zeit wie die heutige gegeben, in der den Bekennern des Judentums im Prinzip wenigstens die gleichen Rechte wie den mit ihnen in demselben Staate wohnenden Anhängern des herrschenden Bekenntnisses eingeräumt worden sind, eine Leistung des Staates, die Gegenleistungen erfordert und zwar soviele, als wir ohne Aufgabe unseres Judentums gewähren können. Auch ist es nicht wahr, was die sogenannte Orthodoxie so gern behauptet, die sich zu Unrecht als Pächterin jüdischer Glaubenstreue gerirt und diese jedem sich nicht zu ihr Bekennenden absprechen möchte, es ist nicht wahr, daß das Judentum stabil auf dem Standpunkt erhalten werden kann, auf den es durch eine mehrere Jahrhunderte alte Codification gestellt worden ist. Man müßte sich geradezu die Augen verschließen, wollte man nicht sehen, wie auch das „traditionelle", „gesetzestreue" Judentum von dem Wandel und Wechsel der Zeiten oft bis ins Innerste ergriffen, wie es von seinen Lehrern und Weisen „angepaßt", „entwickelt" worden ist. Der wahre Kernpunkt des Streites zwischen Konservatismus und Liberalismus im Judentum betrifft nicht, wie die Anhänger des Ersteren fälschlicherweise behaupten, die Grundsätze der Religion, des Glaubens, an denen auch die Vertreter des Liberalismus nicht rütteln können und wollen, sondern er betrifft das Maß, den Grad der „Anpassung", der Assimilation. Assimilation bei voller Erhaltung ihrer Religion, das ist das Panier, uni das sich zu schaaren haben die Juden in Deutschland wie überhaupt in denjenigen Ländern, die den Juden gleiche Rechte gewähren wie den andersgläubigen Landeskindern. Girre Geschichte und Kulturgeschichte der deutschen Juden?) Der wandernde AhaSverus, der ewige Jude, ist seit der sogenannten Juden-Emancipation in allen Teilen Europas allmählich seßhaft geworden, er hat nun sein Vaterland und braucht nicht mehr zu befürchten, daß er — einige halb- *) Geschichte der deutschen Juden von Dr. Adolph Kohut, illustriert von Th. Kautschmann. Berlin. Deutscher Verlag lG. m. b. H.) 1. Lieferung. Preis des ganzen Werks — 10 Voll- oder 30 Halblieferungen — 20 Mk.

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