Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1898)
- Date
- 1898-11-01
- Page
- Seite 263 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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263 wert- — Die Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums in Wien hat jüngst an die größeren Gemeinden in Österreich einen Fragebogen zu dem Zwecke ausgeschickt, um eine Reihe von historischen und statistischen Daten über die culturellen und Humanitären Einrichtungen dieser Gemeinden, ihre Einwohnerzahl, die historisch denkwürdigen Personen, die in derselben gelebt haben u. s. w. zu erhalten. Die bei der Gesellschaft einlaufenden Daten werden geordnet, wissenschaftlich verarbeitet und das Resultat dieser Arbeiten seinerzeit veröffentlicht werden. Es ist erfreulich hervorheben zu können, daß bereits eine Anzahl von Gemeinden, worunter die Cultusgemeinde Brünn zu nennen ist, dieser Einladung Folge geleistet haben. Selbstverständlich erwachsen hieraus für die Gemeinden keine wie immer gearteten Kosten. Mit der Zeit sollen die Arbeiten auch auf die Cultusgemeinden in Ungarn und in Deutschland ausgedehnt werden. Es kann mit Recht angenommen werden, daß alle Cultusgemeinden sich der einmaligen Mühewaltung der Beantwortung des Fragebogens unterziehen und die Gesellschaft in ihrem löblichen Unternehmen unterstützen werden. Weserate und Mitteilungen. In der Zeitschrift „Das neue Jahrhundert" heißt es in einem Artikel „Chaos": Ein Zug der Trauer geht durch alles menschliche Denken. Es giebt kein Volk, das in freudigem Lebensdrang, in gesunder Diesseitigkeitslust dem Stamme der Juden gleichkäme. „Daß Du lange lebest und es Dir wohl ergehe auf Erden" dünkte sie so wichtig, daß sie diesen heißen Wunsch aufnahmen in die granitnen Lakonismen des Zweitafelgesetzes als die beste Verheißung für die Erfüllung ihres hohen Gebotes. Dieser drängende Willen zum Leben leuchtet aus jedem ihrer Gesetze, er kommt in ihrer Ethik zu so eminentem Ausdruck, daß in dem Gedankenkreise dieser Religion die Idee des Fortlebens nach dem Tode einfach keinen Platz fand. Wurde sie in späteren Zeiten in dieses Bekenntnis ausgenommen, so war das nur eine Konzession an die neuen Bedürfnisse neuer Zeitläufe. Ein solches Volk, mit solcher Lust wurzelnd im mütterlichen Boden dieser Erde, das Geschenk des Seins mit Jauchzen aus der Hand seines Schöpfers empfangend, ließ dennoch einen Denker erstehen, dessen schmerzzuckende Lippen das hohe Lied der Melancholie den schwarzen Hymnus Kohelet sangen. — Bei Henry Lamertin in Brüssel ist erschienen: Un Proletariat meconnu von Leontz Soloweitschik. Der Verfasser beschreibt die Lage der jüdischen Arbeiterschaft. Er führt gegen die allgemein herrschende, wiederholt zahlenmäßig widerlegte Anschauung, daß die jüdischen Arbeiter eine kleine Zahl ausmachen, interessante statistische Daten ins Feld. So zum Beispiel teilt er mit, daß die Zahl der jüdischen Diamantenarbeiter in Amsterdam etwa 6000 von insgesammt 10000 ausmacht. In England leben etwa 60 000 jüdische Arbeiter, im Ostend Londons. allein 38 000, von welchen etwa