Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1898)
- Date
- 1898-11-01
- Page
- Seite 256 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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dann liegt die Möglichkeit nahe, daß Luthers Bedeutung nicht genügend gewürdigt, sondern verkleinert wird, wodurch sich wieder der Protestant zurückgesetzt fühlen kann. Uns erinnert dieser Fall an den bekannten Ministerialerlaß des preußischen Kultusministers vom 27. Dezember 1895, welcher jüdische Lehrer und Lehrerinnen, abgesehen von dem Religionsunterricht, auch von dem Unterricht in gewissen anderen Fächern z. B. von dem in der Geschichte der Ausbreitung des Judentums und der Kreuzzüge ausgeschlossen wissen will. Wie aber verhält es sich mit dem Vortrage der Reformationsgeschichte? Lehrt nicht der obige Fall, daß eine objektive Darstellung dieser Geschichte noch am ehesten von einem außerhalb der beiden Konfessionen Stehenden, vielleicht also gerade von einem Juden gegeben werden könnte? Die Forderung nach einem konfessionellen Unterricht führt logischer Weise zu dem gewiß nicht gewollten Zugeständnis, daß die Reformationsgeschichte am ehesten von — Juden objektiv vorgetragen wird! — In Kerlin starb der Leiter der zweiten Religionsschule der jüdischen Gemeinde und frühere Lehrer an der Mädchenschule Dr. Samuel Apolant im 76. Lebensjahre. — Eine neue Religionsschule eröffnete die Berliner jüdische Reformgemeinde mit Beginn des neuen Schuljahres, am 12. Oktober, in den Räumen des Falk-Realgymnasiums. Die beiden bisher bestehenden Religionsschulen der Gemeinde in der Johannisstraße und in der Louisenstädtischen Ober-Realschule in der Dresdenerstraße, welche viel unter der Überfüllung zu leiden hatten, begannen gleichzeitig ihren Unterricht, an dem übrigens auch Kinder von Nichtmitgliedern der Gemeinde teilnehmen können. Die neue, dritte Religionsschule teilt sich in zwei Klassen, einen Kursus für Anfänger und einen für Vorgeschrittene. — In Hamburg ist die Wittwe des früheren Oberrabbiners, Frau Jeanette Stern im 67. Lebensjahre gestorben. Sie war die Tochter des sel. Chiefrabbi von England, Dr. Nathan Adler. — Herr Kantor Klaustein in Kromberg feierte am 1. September sein 25jähriges Amtsjubiläum. Der Jubilar ist Begründer des „Israelitischen Kantor" und des Kantorenvereins. — In Ems ist die offizielle Einweihung des „Deutsch-Israelitischen Mädchenheims", das seiner Bestimmung bereits vor einigen Monaten übergeben wurde, vollzogen worden. — Herr David Simon in Mannheim ist zum dänischen Consul ernannt worden. — In der achten Sitzung des Berliner Kongresses (am 28. Juni 1878) erklärte Fürst Bismark auf eine Bemerkung des Fürsten Gortschakoff, daß die Juden von Rußland, Rumänien und Serbien mit denen von Berlin, Paris, London und Wien nicht verglichen werden dürfen, vielmehr eine wahre Landplage für die eingeborene Bevölkerung seien und deshalb die Gleichberechtigung nicht verdienen: „Dieser bedauernswerte Zustand der Israeliten ist gerade der Beschränkung ihrer bürgerlichen und politischen Rechte zuzuschreiben. Gerade darum müssen sie den übrigen Bürgern gleichgestellt werden, dann werden sie, wie das auch in den Ländern, die der Vorredner erwähnte, der Fall gewesen ist, tüchtige Staatsbürger. Der Unterschied des religiösen Bekenntnisses darf