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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-11-01 · Heft 11 (1.11.1898) · p. Seite 255

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 11 (1.11.1898)
Date
1898-11-01
Page
Seite 255 (sequence 15)
Language
German
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255 geflossene Blut würde gegen uns zum Himmel um Rache schreien! Darum ist es Pflicht Aller, deren Väter, Brüder oder Söhne in den heiligen Kämpfen für Deutschlands Einheit gefallen sind; Aller, die in jenen furchtbaren Kämpfen mitgerungen haben; Aller, welche die Folgen der Antisemiten-Bewegung zu überschauen vermögen, daß sie zusammentreten uni diesen verderblichen Strom in sichere Ufer einzudämmen. Und wenn manche unter uns sein sollten, welche von Juden Unbilligkeiten erfahren haben, so mögen sie das eigene Weh vergessen gegenüber dem Unheil, welches der ganzen deutschen Bevölkerung durch einen Sieg der Antisemiten droht. — Wolfgang Wenzel, der bekannte Literarhistoriker und Feind H. Heines, wird seitens der Antisemiten für ihre Interessen in Beschlag genommen. Und doch übersehen sie geflissentlich den Aufsatz, den er im „Literaturblatt" 1833 Nr. 20/21 veröffentlicht hat, als sich die Badische Kammer gegen die Emanzipation der Juden wehrte. Der Aufsatz schließt mit den Worten (s. G. Rießer's ges. Schriften. Franks. 'a. M. 1867. Bd. II. S. 574): „Wenn wir den Juden noch länger ihre Menschenrechte vorenthalten, so verdienen wir die unfern auf immer zu verlieren. — Eine Gedenktafel in der Königstraße zu Greifenberg enthält die Inschrift: „Hier wohnte Fürst Bismark als Landwehr-Kavallerie-Offizier 1842." Dieses Haus gehörte zur Zeit, als Fürst Bismark bei den Ulanen daselbst diente, dem Kaufmann Joski Rosenthal, bei welchem der junge Bismark in Chambre garni wohnte. Bismark stand in leutseligem Verkehr mit der Familie seines Wirtes nnd war auf deren Einladung hin oft Teilnehmer an der frugalen Familientafel. Von den einzelnen zubereiteten Gerüchten der jüdischen Küche mundete ihm am trefflichsten der Schalet, der allsabbatlich als Leibgericht der Familie Rosenthal gekocht wurde, und wenn ihm ein Teller Schalet von den Kindern seines Wirtes nach Rückkehr vom Dienste in sein Oberzimmer gebracht wurde, so pflegte er diese Aufmerksamkeit reichlich mit Bonbons und Konfitüren zu belohnen. — In Berlin und Straßburg wurden prachtvolle Synagogen ihrer Bestimmung übergeben. Auch berichtet man von Synagogen-Einweihungen in Marienburg und Schlüchtern. In letzterer Gemeinde reicht das Memorbuch bis in die Mitte des 17. Jahrhnnderts und wird in demselben ein Märtyrer Meir ben Baruch erwähnt. — Ein protestantischer Gymnasiallehrer am Mainzer Gymnasium, Prof. Arthur Frederking, ist auf Betreiben der Katholischen Presse an das Gyinnasium nach Worms versetzt worden; Ursache: Er hat in der deutschen Literaturstunde — Luthers Einfluß und Bedeutung für die Entwicklung der deutschen Sprache behandelt nnd im Anschluß hieran seine Schüler einen Aufsatz schreiben lassen über: „Luthers Bedeutung für das gesammte deutsche Volk." Der Fall ist überaus instruktiv, schreiben die „Mitteilungen". Wer soll also den Unterricht aus der Literaturgeschichte halten? Ist der Unterrichtende ein Protestant dann sind es die Katholiken, welche durch eine stark unterstrichene Darstellung der Bedeutung Luthers sich provoziert fühlen. Unterrichtet aber ein Katholik,

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