Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1898)
- Date
- 1898-11-01
- Page
- Seite 254 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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254 das jüdische Element eine sehr wichtige Rolle. Der Jude ist immer der Meinung, daß man schon hier unten die größtmöglichste Gerechtigkeit einführen muß. Die jüdische „Tikva" — „das Vertrauen" —, jene Sicherheit, daß das Geschick des Menschen nicht vergeblich sein könne und daß eine glänzende Zukunft schließlich doch die Menschheit erwartet, ist kein asketischer Glaube an die Existenz eines der menschlichen Natur widersprechenden Paradieses, es ist ein philosophischer Optimismus, der auf einen unbesiegbaren Glauben an das Gute anfgebaut ist. Kohelet nimmt in der Geschichte des langen Kampfes des jüdischen Gewissens gegen die Ungerechtigkeit der Welt einen ganz besonderen Platz ein. Er ist gewissermaßen eine Pause in diesem Kampfe. In dieser Schrift finden wir keine Spur von Messianismus, vom Auferstehungsglauben, vom religiösen Fanatismus oder Patriotismus, nicht einmal eine besondere Verehrung der jüdischen Race. Für den Autor dieses Buches giebt es nach dem Tode nichts mehr. Sein Gott lebt im Himmel und wird auf der Erde niemals herrschen. Koheleth sieht die Vergeblichkeit aller Versuche, die göttliche Gerechtigkeit mit dem Lauf der Welt in Einklang zu bringen ein, und findet sich damit ab. Nach seiner Meinung braucht der Mensch, der die elementaren Pflichten gegen seinen Schöpfer erfüllt hat, nur noch friedlich im Genuß eines ehrlich erworbenen Besitzes zu leben und das Alter, das man in hübschen Redewendungen beschreiben 'darf, ruhig zu erwarten. Das der feinen Sinnlichkeit nicht fremde Temperament des Autors bürgt dafür, daß er mehr als einen inneren Trost besessen hat, um sich für den Pessimismus seiner Philosophie zu entschädigen. Im Grunde liebt er das Leben, wie alle talentvollen Pessiinisten- Der Gedanke an Selbstmord, der einen Augenblick lang beim Erkennen der Ungerechtigkeiten der Welt den Geist Hiobs durchzuckt, kommt ihm niemals in den Sinn. Hlonatsschau. In Darmstadt starb der bekannte Pädagoge P. S. Fiedler. Er trat in Wort und Schrift gegen den Antisemitismus auf und hat er namentlich in Hessen nach dieser Richtung sehr wohlthätig gewirkt. Aus einem Vortrage „die antisemitische Bewegung in Deutschland in ihren Ursachen und Folgen" möge hier folgende Stelle Platz finden: „Deutsche Männer aller Bekenntnisse täuschen wir uns nicht über den Ernst der Zeit. Die Totengräber des religiösen Friedens sind zugleich die Totengräber des deutschen Reichs. Und dieser Friede liegt schwer geschädigt darnieder. Die ersten Spatenstiche zum Grabe desselben sind bereits aufgeworfen. Und schon steht der Kondukt, der den Leichenzug des religiösen Friedens feierlich leiten möchte, marschbereit an den Thoren des Vaterlandes. Wir können und dürfen nicht zugeben, daß das bereits allgefangene Werk Vollendung findet. Das auf den Schlachtfeldern für Deutschlands Einheit und Größe