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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-11-01 · Heft 11 (1.11.1898) · p. Seite 252

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 11 (1.11.1898)
Date
1898-11-01
Page
Seite 252 (sequence 12)
Language
German
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252 darüber dieselben Ideen wie jeder gebildete Jude, dem die Auferstehungstheorie and der Glaube an das zukünftige Gericht fremd ist, (z. B. die Sadduzäer). Für ihn endet der Tod das Leben des Individuums; denn das bleiche und farblose Dasein der Refaim, das die leichtgläubigen Juden und namentlich die abergläubigen Kananäer so sehr beschäftigt hat, ist für ihn jeder sittlichen Bedeutung bar. Man fühlt doch nichts mehr in dem „Scheol" und so bleibt der Tod des Menschen oder der Tiere genau dieselbe Erscheinung. Mensch und Tier leben durch göttlichen Atem, der die Materie auf geheimnisvolle Weise erhebt und durchdringt, und: „es gibt nur einen Odem in allen Dingen". Im Tode trennt sich der göttliche Odem von der Materie; der Körper kehrt zur Erde, von der er entnommen wurde, zurück, und der Geist kehrt zu Gott, der ihn ausgeströmt hat. Dann lebt noch eine Zeitlang die Erinnerung, welche die Existenz des Menschen unter seinen Nächsten fortsetzt, und schließlich verschwindet auch diese und alles ist zu Ende. Um über ein so trauriges Schicksal sich zu täuschen, behaupten viele Juden, daß der Mensch in seinen Kindern weiter lebe. Die Kinderlosen Und die Eunuchen tröstete man durch das Versprechen eines Erinnerungssteines, der ihr Gedächtnis in ihrem Stammvolk verewigen sollte. Doch Koheleth ist diesen kindlichen Tröstungen unzugänglich. Ist der Mensch einmal tot, meint er, so verschwindet sein Gedächtnis nach und nach und es ist, als ob er nie gelebt hätte. Der liebenswürdige Dichter, der uns diese reizenden philosophischen Phantasien hinterlassen hat, wäre zweifellos sehr erstaunt, wenn er sehen würde, daß wir seine Schrift als Symbol eines wohl überlegten Glaubensbekenntnisses zu deuten versuchen möchten. Er würde uns geantwortet haben: „Und es giebt noch ein Übel, das ich unter der Sonne gesehen habe und das ist schlimmer als alle anderen Übel, und dieses Übel heißt die anmaßende Weisheit, die das Weltall mit vier Worten erklärt, das Blaue des Himmels in ein Glas einzuschließen versucht und die Endlosigkeit in einen drei Finger breiten Rahmen einspanen möchte. Wehe dem Weisen, der nicht wenigstens einmal des Tages sich widersprochen hat..." Kein Mensch stand dem Pedantismus ferner als der Autor des Ecclesiastes. Die klare Erkenntnis einer Wahrheit zu erkennen, die der ersten geradezu widersprechen mußte, und die vollständige Überzeugung von der Nichtigkeit der menschlichen Beweggründe hält ihn nicht im geringsten davon ab, den lebhaftesten Geschmack, für die Freuden des menschlichen Lebens zu haben. Mit allen seinen Wunderlichkeiten aber müssen wir diesen Dichter lieben, denn er hat wirklich alle unsere Schmerzen erkannt und durchgelitten. Es bleibt ja zweifellos ein Glück, daß wir neben ihm Zenon und Epictet besitzen, doch kein Grieche hat jemals die Seltsamkeit unseres Schicksals besser begriffen als dieser Sadduzäer. Der Dichter des Buches Hiob hätte der Autor des Ecclesiastes sein können, wenn er fünf oder sechs Jahrhunderte länger gelebt hätte. Die furchtbare mächtige Klage der alten hebräischen Schrift, die beinahe gotteslästerlichen Beschwörungen

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