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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-11-01 · Heft 11 (1.11.1898) · p. Seite 250

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 11 (1.11.1898)
Date
1898-11-01
Page
Seite 250 (sequence 10)
Language
German
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250 jeden Gelegenheit gegeben wurde, nicht bloß die wertvollen und fruchtbringenden Anregungen auf dem Gebiete der Homiletik^ zu verwerten, sondern auch die Gedanken, Ideen und Gefühle zum Ausdruck zu bringen, die geweckt wurden von allen Lehrern an dieser edlen Pflanzstätte jüdischer Wissenschaft durch Wort und Werke?) Im homiletischen Vereine konnte aber auch ein jeder Erleichterung finden von den Zweifeln, welche sein Inneres erfüllten, wenn durch die Beschäftigung mit den allgemeinen Wissenschaften eine neue, zu seinen früheren Anschauungen in schärfstem Gegensätze stehende Welt sich aufzuthun schien; hier fand er Erleichterung, indem er frei und ungezwungen das zum Ausdruck bringen konnte, was sein Inneres bewegte. Hier mußten Vaterland und Welt auf ihn wirken, kamen doch allwöchentlich Collegen aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands und Österreichs zusammen, um in lebendigem Gedankenaustausche einander zu belehren und zu fördern. Dies geschah in musterhafter Weise, denn jedem, stand es frei, seine Meinungen und Ansichten zu äußern, jedem andern diese zu prüfen und zu beurteilen. Wenn daher der Dichter als die zweite Forderung vom edlen Menschen verlangt: „Ruhm und Tadel muß er ertragen lernen", so war gewiß unser Verein die beste Schule hiefür. Nicht durfte ein anerkennendes und rühmendes Wort ihn glauben machen, nun jeder Mühe enthoben zu sein, nicht durfte es ihn seine Pflicht, weiter rastlos an sich zu arbeiten, vergessen lassen; doch auch ein Wort des Tadels sollte nicht entmutigen, sondern anspornen und das treffende Dichterwort vor Augen führen: „Arbeit und Fleiß das sind die Flügel, sie führen über Strom und Hügel." Hier in unserem Vereine erfüllte sich auch die dritte Forderuug: „Sich und andere wird er gezwungen recht zu kennen." Wer könnte leugnen die Thatsache, daß der Mensch sich nur im Menschen erkennt? Nach eigenem Maße mißt der Mensch sich manchmal vielleicht zu klein, des öfteren aber viel zu groß. Da war es der Homiletische Verein, der einen jeden in die rechte Bahn zurückwies; hier wurde er durch das Urteil so vieler gehindert, einen unrichtigen Maßstab anzulegen, seine Fähigkeiten zu unterschätzen und ihnen zu wenig zu vertrauen oder sie auch zu überschätzen und höher anzuschlagen, als er durfte; hier lernte er die Geistesrichtung und Geistesthätigkeit anderer kennen und ein richtiges Urteil sich bilden, hier schärfte einer den Blick des andern, hier übte der „Jüngling streitend seine Kräfte", und trat er dann hinaus in's Leben, fühlte er bald, was er geworden, fühlte „sich bald ein Mann." (Göthe a. a. O.) Dies hochgeehrte Festgenossen, sind in Kürze die Prinzipien, welche den Verein stets geleitet haben und auch heute noch leiten. So blickt der homiletische Verein heute am Tage seines 2öjährigen Bestehens mit Stolz und Genugthuung ') Dr. D. Rosin s. A. a) Prof. H. Grätz s. A.

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