Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1898)
- Date
- 1898-11-01
- Page
- Seite 244 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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244 fr Gottes; das hat aber nicht bloß dem edlen Jakobson das Herz gebrochen, sondern auch Schaaren von Juden durch Juden aus dem Judentum hinausgetrieben, so daß später der dortige Rabbiner auf seinem Sterbebett wünschte, daß es nicht gel schehen sein möchte, „besser sei es doch immer, daß „Schma Israel" auf Deutsch,! als daß es gar nicht gesagt werde." Es folgte eine vierte Periode, die der „studirten" Rabbinen. Dieser Fortschritt machte sich von selbst: da man selber gebildet war, oder wenigstens es zu j sein sich einredete, so wollte man doch auch Geistliche haben, welche Bildung be-; säßen, deutsch predigten, den Christen Achtung abnötigten u. s. w.; etwas eigentlich Religiöses erblicke ich nicht in dem damaligen Verlangen, studirte Rabbinen K zu haben. Es ist leicht zu ermessen, wie schwer es dem jüdischen Jüngling werden mußte, ein solcher studirter Rabbiner zu werden. Was war für ihn auf den Hochschulen zu holen? die Theologie ist dort eine rein christliche, betrat er einmal ' schüchtern einen theologischen Hörsaal, so hörte er entweder gar nicht vom Juden- ' tum reden oder in harten Worten, und mußte zufrieden sein, wenn bloß eine falsche Auffassung, nicht noch etwas Ärgeres solche Worte eingegeben hatte: betrat er einen philosophischen Hörsaal, so vernahm er bald Leugner alles Heiligen, bald verkappte Theologen, selten, selten Etwas, was ihm notthat. Und dieses Studium wurde nicht bloß hierdurch erschwert, sondern eben so sehr durch die alten Rabbinen, welche den studierenden Jüngling wie einen Aussätzigen ansahen, uneingedenk dessen, daß die Synedrin alle „siebenzig Sprachen" lernen sollten und alle Wissenschaft. Kam endlich ein solcher studirter Rabbiner nach diesen Beschwerden und nach Besiegung aller frommen Kabbalen ins Amt, so mußte er sich immer erst mit unsäglicher Mühe eine Gemeinde schaffen; die Alten sahen ihn scheel an, und beteten, während er predigte; die Neuen hielten es für genug einen „solchen" Mann zu besitzen, besuchten aber den Tempel nicht; ein kleines Häuflein hielt ihn aufrecht, und ließ sich lehren, wie vielleicht dem Judentum zu helfen sei, und unterstützte einigermaßen seine kleinen Reformen. Warum aber wurde reformirt? etwa weil, wie es sehr oft heißt, weil man „das Joch des Gesetzes" abwerfen wollte? damals wurde noch nicht daran gedacht, ein „Gesetz" abzuschaffen, damals wurde blos am Gottesdienste reformirt, den man veredelter und seiner heiligen Bestimmung entsprechender haben wollte. Wieder verfloß eine Reihe von Jahren unter diesen Versuchen, allmälig aber sah man ein, daß in dieser Weise dem Judentum bloß ein Leichenschmuck umgehängt, aber nicht die lebendige Kraft wieder erweckt werde, die in ihm schlummert, und nicht die fröhliche Blüte, auf welche man gehofft hatte. Dem aber konnte nicht anders sein. Erstens wurde an dem Gottesdienst bloß geflickt, und das eben so unpassende dicht neben ihm beibehalten, dort ein Choralgesang eingeführt, zu dem sich keine Sänger finden wollten, und Ähnliches mehr. Flickversuche aber, wenn das ganze Gewand in den traurigsten Umständen ist, haben