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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-11-01 · Heft 11 (1.11.1898) · p. Seite 243

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 11 (1.11.1898)
Date
1898-11-01
Page
Seite 243 (sequence 3)
Language
German
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j**v'i3 •*% r« - -n ~ k%»s . “v- ' > —~243 — Leichtfertigkeit zu verfolgen, oder auch wohl im Besitz der zugestandenen Menschenrechte für nicht mehr nötig zu erachten. Diese „Gojim" hatten an Zahl zugenommen, die „Frommen" blieben regungslos, an Reform wurde nicht gedacht. Bloß der edle Jakobson stand über seiner Zeit, er zuerst wagte anzunehmen, was seitdem immer klarer geworden ist, daß Beide im Unrecht seien, Jene, welche abwarfen, was sie nicht geprüft haben konnten, sonst hätten sie gleich ihm den herrlichen Kern des Judentums endeckt; aber auch die „Frommen", indem sie die neuere Bildung für eine Feindin des Judentums hielten, da sie doch bloß mit dessen veralteter Form unvereinbar ist. Dies führte ihn zu der einfachen Folgerung, daß mithin deni Judentum wieder aufzuhelfen sein müsse, wenn ihm nur eine zeitgemäßere Form gegeben würde. Schnell folgte der richtigen Einsicht die glaubenskräftige That. Jakobson zuerst betrat den Weg der Reform, indem er den Gottesdienst zu vereinfachen und zu veredeln begann, und durch Einführung der deutschen Predigt eine bessere Zukunft aufschloß. Dafür wurde er verketzert, das versteht sich, und die des reichen Mannes Wohltaten Hinnahmen, waren oft die Steinigungslustigsten; was aber ärger noch war, er wurde von äußerst Wenigen verstanden, seine Reformen fanden keinen Anklang, Eingang nur da, wohin seine amtliche Stellung reichte; kaum war die französische Zeit vorüber, als alle seine weisen Anordnungen aufgehoben wurden, und es ist leicht möglich, daß viele „Fromme" kaum über die Rückkehr der bürgerlichen Ordnung erfreuter waren als über die Rückkehr der alten Unordnung im Gotteshause. Jetzt kam eine dritte Periode. Die Christen in ganz Europa wurden jetzt frönimer, inan hatte Gott wiedergefunden schon in den schweren Leiden, welche wie aus festgebanntem Gewitter fünfundzwanzig Jahre lang herniederdonnerten, mehr noch in der Hilfe von oben, die sichtbarlich ihnen geworden war in dem heiligen Kampfe gegen die fremden Zwingherren: die Christen wurden es, die Juden nicht, was für Lehre sollten die „Frommen" aus jenem Völker-Drama ziehen, das vor ihren Augen gespielt worden war? sie verstanden ja nicht einmal die Lehren ihrer eigenen Geschichte; und die Neuen noch immer am Judentum verzweifelnd, nahmen von den Christen nicht die wiedererweckte Frömmigkeit, sondern vorläufig bloß den christlichen Tisch an. Wohl lebten neben Beiden schon nicht Wenige, die gleich Jakobson ein Besseres erkannten, aber noch viel zu vereinzelt, um nun auch einen Schritt zum Besseren unternehmen zu können; bloß in Hamburg und Berlin kam es dazu, daß ein edler Gottesdienst eingerichtet wurde. Gegen den Hamburger Tempel schleuderten alle Zionswächter in Mitteleuropa ihre Bannstrahlen, ein ganzes Buch füllten die frommen Verwünschungen an, die sie über ihn aussprachen; doch ehrten, nicht die Juden, sondern die christlichen Väter jener Stadt die feierlich zugesicherte Gewissensfreiheit, und der Tempel erhielt sich und stiftete viel Gutes nah und fern. Der Tempel in Berlin dagegen wurde geschlossen, die „Frommen" ruhten nicht eher mit Verdächtigungen zu Ehren

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