Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1898)
- Date
- 1898-10-01
- Page
- Seite 232 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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232 stehenden, aus der Verschiedenheit des religiösen Bekenntnisses hergeleiteten Beschränkungen der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte werden hierdurch aufgehoben. Insbesondere soll die Befähigung zur Teilnahme au der Gemeinde- und Landesvertretung und zur Bekleidung öffentlicher Ämter vom religiösen Bekenntnis unabhängig sein." Fürst Bismark war es auch, der als Leiter des Cvngresfes von 1876 unter vielfachem Widerstand die Verbesserung der Lage der Inden in Rumänien durchgesetzt hat. Von dem Heimgegangenen gilt das Wort: Wenn ein Weiser stirbt, sind alle gleich Verwandten von tiefer Trauer erfüllt. Das Andenken an den großen Toten bleibt ein gesegnetes! — Auf seiner Besitzung in Pitzing am Starnberger See ist Georg Ebers am 14. August gestorben. Am 1. März 1837 in Berlin geboren. Er stammte aus der Familie des Münzjnden Ephraim nnd wurde von seiner verwittweten Mutter der Taufe zugeführt. In verschiedenen Romanen hat er jüdische Typen mit Sachkenntnis und unverkennbarer Teilnahme geschildert. Ein großer Teil seiner wissenschaftlichen Thätigkeit war der Erforschung des biblischen Schrifttums gewidmet, nnd der antisemitischen Bewegung ist er mit großer Schürfe entgegengetreten. — Im „Protestant" vom 26. März schreibt Herr Max Gebhardt: „Da die Juden Steuern zahlen und der allgemeinen Dienstpflicht unterworfen sind, wie alle anderen Leute, da sie die Pflichten erfüllen, die der Staat von ihnen verlangt, müssen ihnen auch sämtliche staatsbürgerlichen Rechte zustehen. Aus dieser allgemeinen Erwägung folgere ich selbst da die Zulassung der Juden, wo man ihnen bis jetzt ganz oder teilweise den Eintritt wehrt, wie z. B. zum Militär und zum Richterberuf." Dann tritt er dem Antisemitisinus in schärfster Weise entgegen: „In einem Antisemitismus, der die Judenfrage darin sieht, daß die Juden mehr wissen, mehr verdienen, mehr vermögen, mehr haben, kann ich folglich nichts anderes erkennen, als eine Theorie von Haß und Neid, die zudem noch mit der» unbewußten Eingeständnis eigener Unfähigkeit sich selber richtet." — Herr Prof. Dr. Frendenthal ist für das kommende Universitütsjahr.zum Dekan der philosophischen Fakultät in Breslau gewählt worden. — Herr Paul Goldbaum schreibt der „Frankfurter Ztg " über seine Fahrt durch's Rote Meer: „Am zweiten oder dritten Tage der Durchfahrt durch's Rothe Meer erblickt man zur Linken einen langgestreckten, hochragenden Gebirgszug. Das ist der Sinai. Das Schiff fährt an seiner Seite entlang, und er erscheint ganz nahe. Vom Meer aus geht an seinem Fuße etwas wie ein Strand hinauf. Dann erhebt sich die Bergmasse schroff in die Lüfte. Nichts regt sich in der Landschaft. Einsam ist das Meer, leer ist der Strand, nnd öde und wüst ist das Gebirge, ohne Baum, ohne Strauch, ohne jede Spur einer menschlichen Aiisiedlung. Es ist graues Gestein, das stellenweise schwärzlich erscheint. Ob es sehr zerklüftet ist, kann man vom Meere aus nicht sehen. Oben auf dem Kamm treten mehrere Spitzen aus der Masse heraus, und die höchste von ihnen kann man sich als den Gipfel vvrstellen, auf welchem Moses vom Gott seiner Väter