Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1898)
- Date
- 1898-10-01
- Page
- Seite 233 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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233 die zehn Gesetze empfing, denen seitdem die Welt gehorcht. Das Schiff zieht langsam am Sinai vorüber, und noch bis spät Abends sieht man ihn am Horizont. Schweigend und starr liegt er da und hütet das Geheimnis der göttlichen Gesetzgebung. Ehrfurchtsvoll blickt man hinüber zu diesem Gebirge, auf dem nichts wächst und grünt, und dessen Ruhm doch ohne gleichen ist, weil es einmal in Jahrtausenden eine einzige Blüte hervorgebracht hat: die Blüte von den zehn großen Gedanken. — In Kaden-Zaden wurde der Grundstein zu einer neuen Synagoge gelegt. — In Zweibrücken wurde Herr Dr. Eugen Meyer zum Distriktsrabbiner gewählt und in Insterburg Herr Dr. M. Beermann. — In Kreslan starb im 78 Lebensjahr Herr Dr. Bendix Samuelsohn, der verdienstvolle Leiter der Religivnsunterrichtsanstalt der Synagogengemeinde. — Der 90 jährige Fabrik- und Gutsbesitzer E. Rothschild in Stadtoldendorf, dessen Denkschrift über ein „System einer Ökonomie des Wassers für das deutsche Reich" in Fachkreisen berechtigtes Aufsehen erregt hat, ist vom Reichskanzler Fürsten Hohenlohe durch ein anerkennendes Daikkschreiben ausgezeichnet worden. — Bei der diesmaligen Preisverteilung an der Universität in Berlin hat der Kand. med. Herr Arthur Frankel aus Neustadt in Schl, den medizinischen, Herr Bruno Kappaport aus Nordhausen den historischen Preis erhalten. — Die städtischen Kollegien in Altona haben beschlossen, den Zuschuß zu den Erhaltungskosten der dortigen Israelitischen Gemeindeschule in Rücksicht auf die laut dem neuen Besoldungsgesetz notwendige Steigerung der Lehrergehälter auf Mark 4000 jährlich zu erhöhen. — Ein jüdischer Frauenorden, der erste seiner Art ist in Kerliit unter dem Namen „Orden der Töchter Zions" in's Leben gerufen worden. Es ist eine Verbindung jüdischer Mädchen und Frauen, welche sich gänzlich oder zeitweise der Ausübung der Armen-, Kranken- und Kinderpflege widmen wollen. Als Abzeichen ist ein silberner Davidsschild (sechseckiger Stern) mit dem Worte „Zion" in hebräischer Schrift ausersehen. — In einem Nachrufe, den die „Breslauer Zeitung" Ferdinand Cohn, dem Botaniker und Ehrenbürger Breslaus, widmet, wird folgende Aneedote erzählt: „Wenige akademische Lehrer besaßen die Gabe, den Studierenden ihre Spezialfächer so klar darzustellen, wie Ferdinand Cohn, der das Semester wiederholt mit dem Scherze eröffnete: „Die vier Grundstoffe der Pflanze sind Kohlenstoff C, Sauerstoff 0, Wasserstoff H, und Stickstoff N." Dabei hatte er, scheinbar absichtslos, diese vier Buchstaben an die Tafel geschrieben und setzte lächeld hinzu: „Sie sehen, daß ich von den Pflanzen etwas verstehen muß." — Bei dem großen Hamburger Tnrnfest war der erste Preisträger Adolf Flatow aus Berlin. Auch sein Bruder hatte einen Preis errungen, und was besonders interessant ist, unter den Turnern aus Österreich, die Erfolge errungen habeu, befand sich auch ein Herr Sonnenschein aus Wien. — Der jähe, schreckliche Tod, den die edle durch Seelengröße ausgezeichnete Kaiserin Elisabeth fern von der Heiinat durch verruchte Mörderhand gefunden, hat überall die schmerzlichste Teilnahme hervorgerufen und