Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1898)
- Date
- 1898-10-01
- Page
- Seite 229 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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229 besten Waffen gegen alle Angriffe die uns umstürmen. Wir sollen nicht nur Juden dem Namen, sondern solche dem Geiste nach sein und bleiben, dann wird das Judentum unser Stolz und unsere Zier sein, unser Schild und unsere Waffe in Tagen des Kampfes. Mit Recht fordert Larzarus mehr Stolz und ich füge hinzu weniger Hochmut von den Juden, jener Stolz, der die Wurzel der echten selbstbewußten Bescheidenheit ist, die uns Achtung gibt vor uns selbst und uns Ehre bringt bei unseren Mitmenschen und wenn wir auch die christliche Religion als die höchste unter allen in deren Mitte wir leben ansehen, so gibt es für uns noch einest was höher steht, das nänilich, was im Christentume wie im Judentums das Eine und das Gleiche ist und in beiden als das belebende Ideal existiren sollte, die Anbetung des einen Gottes im Geiste und in der Wahrheit, die menschenverbrüdernd und völkerversöhnend wirkt. Werfen wir den Königsmantel des Judentums nicht von uns, halten wir unsere Religion für unser höchstes, wir wirken dadurch begliickend für uns und alle Welt. Ich schließe meinen Vortrag mit den Worten des greisen Rabbiners der vor 56 Jahren in den Mauern unserer Stadt gelebt: Mit dem Strome treiben ist irdisch, 'aber im Dienste der Wahrheit und besserer Erkenntnis fest zu stehen gegen den Strom, allein stehen im Recht, wie ein Fels, wenn auch auf tausend auf und niedersteigenden Wellen die Flut öffentlicher Meinung rings umher tobt, Grundsätze und Principien schauckeln und wanken, das ist himmlisch, die nüchterne Sorge für zeitliche Wohlfahrt ist, irdisch, aber auch an das Ewige denken und für Ewiges Zeitliches opfern ist himmlisch. Fortschritt heißt: Immer mehr Himmel der Erkenntnis der Herzens- und Geistesbildung, immer mehr Duldung, Brüderlichkeit, friedliches und einträchtiges Leben im gesellschaftlichen Umgang, wie im Verkehre der Völker und Reiche unter einander. „An solchen Bestrebungen unentwegt und rüstig zu arbeiten, das sei und bleibe des Mendelssohn-Vereins herrliche Aufgabe, den wir aus all unseren Kräften fördern wollen, damit immer weitere Kreise von seinem Geiste und seinem Streben sich erfüllen. Grnest Hlenan über Koyelety. L Besser als in irgend einem anderen Werk der jüdischen Litteratur läßt sich in dem Buche von Koheleth (nach Luther: der Prediger Salomo) die Seltsamkeit, die Mannigfaltigkeit und der überraschende Reichtum des jüdischen Geistes erkennen. Man denke doch! Seit Antiochus Epiphanes flebert Israel unaufhörlich; unter Schmerzen zeugt es das Christentum und leidet für die Menschheit. Hier aber, in diesem Buche, tritt uns ein jüdischer Dichter entgegen, der sich offenbar so ruhig wie nur irgend ein Mensch in der Welt fühlt. Patriotismus und Messianismus gehen ihn gar nichts an; er seufzt nur über sich selbst und