Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1898)
- Date
- 1898-10-01
- Page
- Seite 225 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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225 Idealität durch seine geistige Thätigkeit zu Pflegen Lebensaufgabe und Lebensinhalt geworden. Er ist ein warmer begeisterter Anhänger des Judentums atls Überzeugung, er fiel nicht dem zersetzenden.Jndifferentismus anheim, er ist nicht fahnenflüchtig geworden oder wie so viele, die als sie kaum eine, wenn auch noch so unbedeutende Stellung in Wissenschaft und Leben,erlangten, zuerst glaubten über das Judentum sich stolz hinaussetzen zu müssen. Lazarus schreibt: Die (jüdische) Genossenschaft wird gezählt und gewogen nach ihren Angehörigen und darum ist es eine Pflicht, derer, die hoch hinaufsteigen irgendwie in bürgerlicher Stellung, in Fähigkeit und Leistung, ihre Pflicht ist es am ni eisten bei den Ihrigen zu stehen.. Wenn wir nun seine Reden näher ins Auge fassen, so kann man sie als eine Art Gedenkbuch, als ein Stück Entwicklungsgeschichte des deutschen Judentums in der Gegenwart ansehen. Es sind nicht die geistvollen, formvollendeten Reden an sich allein, die ihnen Wert und Bedeutung verleihen, sondern vielmehr die Gelegenheiten und Anlässe bei denen sie unter zustimmendem Beifalle der gelehrtesten, ehrlichsten, geistvollsten und weitschauendsten Vertreter des Judentums der Neuzeit gehalten worden sind. Herrn Professor Lazarus wurde die verdiente, ihn ehrende Anerkennung zu Teil von den Synoden, die in Leipzig und Augsburg tagten und an welchen auch Laien teilnahmen, zum Präsidenten erwählt zu werden, von den Synoden, welche das letzte Aufleuchten erhabener Erfassung des Judentums und seiner welterlösenden Gedanken bedeuten, denn an ihnen nahmen, um nur von Verstorbenen zu sprechen, Männer von Gelehrsamkeit wie Geiger, von Gesinnung wie Aub, von talmudischer Kapazität wie Löw, von Biedersinn wie Wechsler, von Humanität wie Adler, von reicher Erfahrung und Verständnisinnigkeit wie Joseph Ritter v. Wertheimer, von Schärfe und pädagogischer Tüchtigkeit wie Szanto, von organisatorischem Talent wie Moritz Kohner, von poetischer Gehobenheit wie Leopold von Kompert Teil, die alle darin einig waren, wie dies auch in der Resolution der Augsburger Synode ausgedrückt wurde, daß die Neugestaltung des Judentums ein dringendes Bedürfnis sei, die alle darin einig waren, Veraltetes zu beseitigen, die alle darin einig waren, daß Friede und Versöhnung hergestellt werden müsse, nicht aber durch Verleugnung, sondern gerade durch Betonung einer wahren echten unverfälschten Gesinnung. Nehmen wir die in der Schrift des Prof. Lazarus von ihm selbst aufgeworfene Frage, warum den zwei Synoden keine weiteren gefolgt sind auf, woher der Verfall nach solchem Aufschwünge, so fällt die Antwort flir diejenigen, die die Erscheinungen des Judentums in der Gegenwart tiefer zu erfassen vermöge», nicht schwer. Seit dem Austrittsgesetze hat sich eine ungerechtfertigte Panik der tonangebenden Gemeinden in Deutschland bemächtigt. Die Gemeinden haben seitdem ihren geistigen Halt und ihren Standpunkt verloren. Steuerhaltung war das Programm und die Parole der maßgebenden Kreise und Friede auf Kosten der Warheit war ihr Werk.