Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1898)
- Date
- 1898-10-01
- Page
- Seite 224 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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224 Meine Damen und Herren! Hätten Leon Modenas Gedanken und Ansichten über das Judentum vor vier Jahrhunderten mehr Beachtung und größere Verbreitung gefunden, wie viel Leid und Unheil, wie viel geistiges Elend wäre uns erspart geblieben, das Judentum wäre auf der Höhe seiner Mission und verstummt wären so manche Stimmen, die lieblos klingen. Was wir aber, die wir offen und frei der Reform des Judentums anhängen, daraus lernen können, ist, daß wir unbeirrt und unbekiimmert, besonnen aber auch entschieden, stets den Blick auf das Ganze gerichtet mit Liebe und Begeisterung an dem Aufbau des modernen Judentums weiter arbeiten, denn der Boden auf deni wir stehen ist der feste Grund der Vergangenheit, ist der heilige Boden der Geschichte und die Ziele denen wir zusteuern sind die Ideale aller edlen und großen Denker im Judentum stets gewesen. Ein neuer schaffender Hauch wird trotz aller scheinbaren Rückschritte über die Gefilde der Menschheit dahinwehen und für das reine geläuterte Judentum wird die Zeit kommen an dem ihm von innen und außen die Anerkennung zu Teil wird, die ihm gebührt, denn wir hüten und pflegen und schützen und schirmen die heiligsten Güter des Judentums, den herrlichsten Schatz der Menschheit. Treu und Irei. Aus dem Archive des Mendelssohn-Vereins zu Frankfurt a. M. „Man verdient wenig Dank von den Menschen, wenn man ihr inneres Bedürfnis erhöhen, ihnen eine große Meinung von ihnen selbst geben, ihnen das Herrliche eines wahren edlen Daseins zum Gefühl bringen will," Diese Dichterworte haben sich in jüngster Zeit gar sehr an dem Manne bewahrheitet, über dessen Buch „Treu und Frei" ich jetzt zu ihnen sprechen will, denn er ist wie selten einer gar rasch aus der Höhe auf der er stand in den Koth der Verlästerung herabgezerrt worden. Und doch ist Professor Moritz Lazarus einer der Wenigen unserer Zeit auf den das Judentum allen Grund hat stolz zu sein, schon darum, weil er zu den Wenigen gehört die auf geistiger Höhe stehend, stolz darauf sind, sich Jude nennen zu können. Zudem hat er das unbestreitbare Verdienst ohne Theologe von Beruf zu sein an den Bewegungen des Judentums in der Neuzeit lebendigen und thätigen Anteil genommen zu haben und an dessen Neubelebung und Verjüngung mit Ernst und Eifer, mit Wärme und Verständnis mitgearbeitet zu haben. Mau ist gewohnt Philosophie und Theologie als Gegensätze anzusehen, in Professor Lazarus, dem Philosophen des Idealen, sind sie zur harmonischen Einheit verbunden; er ist ein Philosoph, dem nach seinem eigenen Bekenntnisse alle Idealität in der Religion gipfelt und dem