Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1898)
- Date
- 1898-10-01
- Page
- Seite 223 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- K. ~*4{ — 223 — Indem ich Ihnen meine Damen und Herren einige dieser Thesen, die auch im Allgemeinen heute noch für gewisse Kreise sehr beachtenswert sind, vorführe, bitte ich Sie zu bedenken, daß sie vor vier Jahrhunderten zu Ausdruck kamen und daß sich heute noch nicht so leicht ein Rabbiner fände, der den Mut besäße, obzwar er innerlich oft ebenso wie wir und Leon Modena von deren Wahrheit durchdrungen ist, für sie einzustehen. (These I.) Der Gebrauch der Gebetriemen ist nicht biblisch, sondern bloße Menschensatzung. Einen Zusatz aber zur göttlichen Lehre zu machen und noch obendrein auszusprechen, Gott habe solches geboten, ist unstatthaft. (These III). Die Zusatztage der Feste sind ein Vergehen wider die Bibel. Sie sind eine unnötige Anordnung und veranlassen Unwahrheit in den Gebeten zu sprechen. (These VII). Die Annahme einer mündlichen Lehre neben der schriftlichen zerstört diese. Alle späteren Satzungen sind darum keine göttlichen Überlieferungen, sondern menschliche Anordnungen und Erkärungen, die unserer Beurteilung unterliegen. (These X). Die vielen Umzännungsvorschriften sind nachteilig, sie erschweren dem Menschen seine Pflichten und schwächen sein Pflichtgefühl. (These XI). Die Gebete enthalten ungeeignete Stellen so z. B. die Lobsprüche, welche von späteren Satzungen aussagen: Gott habe sie befohlen und außerdem unpassende Legenden. Aber als würden die aufgestellten Thesen noch nicht ganz den Kern und den Jnhaü der Bestrebungen Leon Modenas zum Ausdruck bringen, legte er einem Spanier mit dem symbolischen Namen: „Der Wahrhafte, der Gott kennt", eine Schrift unter, der er wieder eine Widerlegung beigegeben hat, in welcher mit einer noch nie dagewesenen Kühnheit, gepaart mit Sachkenntnis, das ganze rabbinische Judentum verurteilt und jeder Buchstabengläubigkeit der Boden entzogen wird. Es wird in derselben ausgeführt, daß die Rabbiner mit ihren Gesetzen den Inden das Leben zu einer Last lind Israel zum Gegenstände des Hasses und der Verachtung gemacht hätten. Es würde zu weit führen, wollte ich auf deu reichen Inhalt dieser äußerst interessanten, für die Geschichte der Reform so wichtigen Schrift näher eingehen, in welcher auch der Schlachtritus, der heute noch so viel unnützen Staub aufwirbelt, die richtige Beleuchtung erfährt und in welcher auch hervorgehoben wird, wie dringend eine Reform der jüdischen Ehegesetze sei. Ich habe auf dieses Werk, in welchem die Unhaltbarkeit des rabbinischen Judentums besprochen wird nur hingewiesen und will Ihnen nur noch das Schlußwort mitteilen, in welchem es heißt: Er wisse wohl, daß er von Rabbinern wegen seiner freimütigen Beurteilung des Judentums verdaiNlM'GMden würde, allein wenn es nur dazu beigetragen hätte einen Einzigen dieHugen zu öffnen, fühlte er sich reichlich belohnt.