Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1898)
- Date
- 1898-09-01
- Page
- Seite 211 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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— 211 — Wilhelms gelegentlich seines Besuches wieder in den verloren gegangenen Besitz zu gelangen. Doch diirfte die Erfüllung mehr als fraglich sein, da unseres Wissens der Sultan über heilige Stätten nicht verfügen kann, jedenfalls aber sich hüten wird, durch eine derartige Schenkung den Fanatismus der Moslems zu entflammen. Immerhin können auch wir wünschen, daß im Interesse der Wissenschaft hinsichtlich dessen, was die angebliche Grabstätte des Königs David bergen mag, die Zeit bald herannahen möchte, wo der Schleier gelüftet werden darf. Im WaulHaus bei Tarnopot. Ungefähr eine Viertelstunde von dem Schlosse, in dem ich als Archivar beschäftigt war, stand ein Mauthhaus, dessen Inhaber allgemein nur „Moische" genannt wurde. Er war ein sechzigjähriger Mann in der Tracht der orthodoxen polnischen Juden. So oft ich am Mauthhause vorbeifuhr — und dies geschah tagsüber zwei bis dreimal — grüßte mich Moische deutsch, und als ich ihn eines Tages fragte, weshalb er sich nicht des landesüblichen Grußes bediene, sagte er: „Sie rauchen ja Virginiercigarren und sind sonach ein Deutscher." In Tarnopol und Umgebung raucht nämlich alles vorwiegend Cigaretten. Mit dem freundlichen Mauthner sollte ich einmal in einer höchst sonderbaren Affaire näher bekannt werden. Seine Pferde waren über Nacht in den Schloßpark eingebrochen und hatten greuliche Verwüstungen angerichtet. Da der Gutsherr auf Ersatz bestand, wandte sich der momentan zahlungsunfähige Moische an mich mit der Bitte, zu vermitteln. Ich that es, und zwar nicht ohne Erfolg. Eines Tages ging ich zu Moische und meldete ihm, daß der Gutsbesitzer keinen Schaden verlange und nur fordere, Moische möge in Hinkunft auf seine Pferde — er besaß deren über ' undert Stück — besser Acht geben. Moische war über diese Nachricht hocherfreut und lud mich ein in sein Haus zu treten. Ein polnisches Haus! Ein Mauthhaus! Trotz der genauesten Schilderung dürfte der noch so phatasiebegabte Zuhörer keinen Begriff davon haben. Ein niedriger, notdürftig überdachter Bau aus Rohziegeln, mit einem schmtzigen Flur und zwei Stuben zusammen etwa fünf Klafter im Gevierte. Wir traten in das eine der Gemächer. Moische entschuldigte sich bei mir wegen der Einfachheit des Haushaltes und sagte: „Ich habe noch ein Zimmerchen, das Ihnen gefallen dürfte. Ich muß doch Nachsehen, ob er schon auf ist. Der arnie Junge hat gestern bis vier Uhr morgens gearbeitet und war gewiß totmüde." ' Moische warf einen vorsichtigen Blick in die andere Stube und winkte mir dann freundlich: „Bitte nur hereinzukommen, Leeb ist auf."