Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1898)
- Date
- 1898-09-01
- Page
- Seite 210 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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210 in welcher nach Meinung der Moslems und der Juden das echte Grab Davids sich befindet. Sein Zugang ist jedem Christen und Juden verboten, ja auch die Moslems betreten, wie mir bei meinem heutigen Besuch versichert wurde, den Raum nie, sie scheinen eine geheimes Grauen davor zu haben und vor den Geschichten, die einesteils über dieselben in Büchern berichtet werden, andernteils heute noch unter dem jüdischen wie mohammedanischen Volk von Mund zu Mund gehen. Josephus in Antiq. VII, 15 berichtet, daß David mit großen Schätzen begraben worden ist, und daß später Hyrkan I. 3000 Talente aus der Gruft entnommen hat. Auch Herodes hat Schätze entwendet, Geld aber nicht gefunden. Beide, Hyrkan und Herodes sind zu den eigentlichen Särgen der ersten Könige nicht gedrungen. Herodes hat die Gruftmit wenig Vertrauten bei Nacht geöffnet, damit die Stadt von seinem Vorhaben nichts erfahren solle. Wie er immer weiter vorzudringen trachtete, sind plötzlich zwei seiner Leute durch hervorleckende Flammen verzehrt worden. Erschrocken und die Sündhaftigkeit seines frevlen Thuns einsehend, hat er nachher am Eingang eine Art Sühnemonument in kostbaren weißen Steinen errichten lassen; auch von Nicolini, einem anderen Biographen des Herodes, wird dieses Denkmal erwähnt. Dio Cassius berichtet, daß zur Zeit Hadrians das Grab Salomos als böses Vorzeichen eingestürzt sei. Im Jahre 1116 erzählt ein jüdischer Palästiuareisender Benjamin von Tudela: Vor 15 Jahren stürzte eine Mauer der „Zionskirche" ein. Der Patriarch befahl einem Priester, die Mauer wieder zu reparieren und hierzu Steine von dem Fundament der alten Zionsstadtmauer zu nehmen. Als die Arbeiter die Steine herorgruben und herauszogen, bot sich, ihnen plötzlich durch Wegräumung eines solchen eine Höhle dar. Es gingen zwei hinein und erblickten ein mit Gold verziertes Gewölbe; in demselben war ein Tisch, eine goldene Krone nebst Szepter und verschlossene Kästen (Sarkophage): Dies war das Grab Davids und seiner Nachfolger. Auf einmal blies sie ein Sturmwind an, der sie niederwarf; am Abend hörten sie die Stimme: Stehet auf und gehet von hinnen. Solches erzählten sie dem Patriarchen, der alsbald die Öffnung wieder zumachen ließ. Das Gebäude des Coenaculum hat sein jetziges Aussehen von den Franziskanern, die sich 1333 hier ansiedelten und eine „Zions- oder Marienkirche" mit zwei Geschossen vorfanden, welche aus dem vierten Jahrhundert stammte und ursprünglich „Apostelkirche" genannt wurde. Aber schon 1547 wurden die Franziskaner durch die Mohamedaner, welche, von den Juden aufgestachelt, nicht dulden mochten, daß die. Christen in so unmittelbarer Nähe des Davidsgrabes sitzen, verdrängt. Seitdem ist dieser Platz in den Händen der Türken, und es läßt sich begreifen, daß die Katholiken hinsichtlich dieser für sie so wichtigen Örtlichkeit — ihre Tradition legt außer Fußwaschung, Abendmahl, Ausgießung des heiligen Geistes auch hohepriesterliches Gebet, Wahl des Matthias, Tod der Maria, erstes Apostelkonzil hierher — gern den Wunsch hegen, durch die Fürsprache Kaiser