Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1898)
- Date
- 1898-09-01
- Page
- Seite 209 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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209 Weise hervortritt und besonders die orientale Weisheit eine Fülle der reinsten und erhabendsten Ideen enthält, die man füglich den Lehren des alten Bundes an die Seite setzen kann, so gehen doch diese lichten Geistesblitze gar bald wieder in dem Dunkel der unfreien Natur unter, während im Judentum das Ideelle zwar allenthalben von dem Realen begleitet wird, ohne daß doch je die Freiheit von der Naturnotwendigkeit verschlungen wird.*) Das Grab Davids. Die bevorstehende Reise des Kaisers nach Jerusalem giebt Veranlassung zu allerhand Kombinationen über Besitzwechsel der heiligen Stätten in der für so viele Religionen heiligen Stadt. Man erinnert sich, daß der Streit um die heiligen Stätten den Vorwand für die Komplikationen gab, die zum Krimkrieg führten. Man sieht also, daß es ein heißer Boden ist, auf dem man sich bewegt. Vor allem erhält sich das Gerücht, daß gelegentlich des kaiserlichen Aufenthaltes in Jerusalem das sogenannte Coenaculum den Katholiken übergeben werden soll. Im Anschluß hieran schreibt der „Ägyptische Kurier": Das wichtigste Gebäude des Häuserkomplexes von „Nebi Daud" vor dem Zionsthor ist das Gebäude mit dem Coenaculum oder Abendmahlssaal. Dieses Gebäude enthält zwei Stockwerke oder „Räume"; in dem unteren soll die Fußwaschung, in dem oberen die Einsetzung des heiligen Abendmahls und die Ausgießung des heiligen Geistes stattgesunden haben. Zu dem oberen dieser Räume gelangt man von einer hohen steinernen Treppe und einer Dachterasse aus, während man das untere Geschoß (des nahen Davidsgrabes wegen) nicht betreten darf. Es ist nämlich unter diesen Räumen noch ein weiterer kellerartiger, eine Gruft, *) In dem Maße als man in neuerer Zeit den wahren Begriff der Natur verloren, ist uns das Judentum immer fremder, unverständlicher geworden; so daß es zuletzt dahin gekommen, daß viele Theologen den alten Mosaismus als völlig unvereinbar mit dem Christentum verwarfen oder andere nur das prophetische Element in demselben auffaßten: alles übrige aber bei Seite setzten und gänzlich ignorirten. Aber w)»s ist der neue ohne den alten Bund? Nimmermehr kann das Christentum, welcher nichts anderes als die Fortsetzung der göttlichen Uroffenbarung an das jüdische Volk ist, in seiner wahren Tiefe begriffen werden, ohne eine genaue Erkenntnis von dem Geiste jener alten mosaischen Religion zu haben. Diese Erkenntnis kann sich aber einzig und allein für uns aufschließen durch eine Einsicht in das Wesen und die Bedeutung der Natur. Zuverläffig wird es daher die Theologie der neueren Philosophie doch Dank wiffen, daß sie die Seite der Natur wieder hervorgezogen hat. Vorausgesetzt, daß nun einmal die Mißverständniffe über die Ausdrucksweise beseitigt sind und der Schein hinwegfällt als wollte man der Gottheit selber einen dunklen Naturgrund legen, durch den sie ursprünglich blind notwendig bestimmt und in ihrem Sein und Leben auf leidende Weise beschränkt sei." (Philosophie der Geschichte Bd. Hl, § 49. Münster 1839.)