Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1898)
- Date
- 1898-09-01
- Page
- Seite 208 (sequence 16)
- Language
- German
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208 denn auch ausdrücklich bei den Weisen in Israel heißt: „daß ein Gebet ohne Intention und Andacht einem Leibe ohne Seele gleiche'" (ibick. § 488.) Unparteiisch betrachtet hat die gesetzliche Äußerlichkeit der talmudischen Tradition offenbar ihren Grundtypus in dem Gesetz vom Sinai, zu dessen Erhaltung und Befestigung sie aufgestellt worden; ohne diese Tradition wäre das Judentum schon längst in den Stürmen der Zeit untergegangen,-daher wir in dem traditionellen Gesetze an den Segenssprüchen und moralischen Sentenzen und Abhandlungen des Talmud eine weit größere durch Reflexion ausgebildete Innerlichkeit als in dem alten einfachen Urgesetz vom Sinai erblicken." (ibtd. § 680). „Die Mischnah lehrt: „So wie es einen Betrug im Handel giebt, so giebt es einen Betrug in Worten." Darum frage nicht: Wie teuer ein Gegenstand ist, wenn dri die Absicht zu kaufen nicht hast; zu einem Bußfertigen sage nicht: Gedenke deiner früheren Handlungen; zu einem Proselyten nicht: Gedenke der Handlungen deiner Eltern, denn es heißt: Einen Fremdling sollst du nicht kränken." (ibid. § 719). „Ein Tannah lehrte vor R. Nachmann b. Jsac: Wer seinen Nebenmenschen in Gegenwart anderer beschämt, begehet gleichsam eine Mordthat. Drei werden von der Hölle nicht erlöst: Der Ehebrecher, der seinen Nebenmenschen in Gegenwart anderer beleidigt, und der seinen Nebenmenschen einen verächtlichen Namen beilegt." „R. Chanina sagte: Es heißt: „Übervorteilt eueren Nächsten nicht". Damit wird gesagt: Völker, welche Gesetze und Rechtspflege haben, „hütet euch zu übervorteilen." „Rab sagt: Man hüte sich besonders seine Frau zu kränken, denn ihren Thränen folgt leicht eine göttliche Strafe, denn es heißt: „Zu meinen Thränen schweigt er nicht." „R. Chisdai sagte: Wenn alle Himmelspforten verschlossen sind, den über Betrug klagenden sind sie geöffnet". R. Elieser sagte alle Sünden werden mittelbar, der Betrug aber unmittelbar durch Gott selber bestraft." (ibid. §. 720.) Auf der ganzen Erde finden wir nur eine einzige Religion, welche den Forderungen der Vernunft entspricht: Diese ist das Judentum und seine Entfaltung im Christentum. Im Judentum tritt uns zum Teil ein realistischer Naturcharakter entgegen, allein nirgends steht hier die Natur so roh und schroff da, wie in dem Heidentum, sondern überall blickt aus dem realen Äußern die reinste ideellste Innerlichkeit hervor. Dieses ist eine Eigentümlichkeit, wodurch sich das Judentum von allen alten Religionen unterscheidet und die Göttlichkeit seines Ursprungs unleugbar dokumentiert. Denn wenn auch hei den heidnischen Religionen das innere ideelle Element in einzelnen Partien auf die schönste und herrlichste