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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-09-01 · Heft 9 (1.9.1898) · p. Seite 207

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 9 (1.9.1898)
Date
1898-09-01
Page
Seite 207 (sequence 15)
Language
German
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—'■*207 — die Gesetze der Bibel über den Ackerbau namentlich über die Pflanzen (Ch'laim) ihnen die nächste und dringendste Veranlassung gab. Die talmudischen Schriften lassen sich in ganzen Tractaten mit ausführlicher Genauigkeit über den Ackerbau aus. Die genaue Olassilioation der Feld- und Baumfrüchte insbesondere über die räumliche Bestimmung der Wurzelkraft verschiedener Pflanzen. Diese Gegenstände, welche zuverlässig auf ganz alten biblischen Naturanschauungen beruhen, die bei weitem noch zu wenig von unserer heutigen Naturphilosophie gewürdigt worden, sind hauptsächlich in den Tractaten Schebiis und Ch'laim niedergelegt und beweisen zur Genüge die tiefen physiologischen Kenntnisse der Juden sowie sie zugleich die hohe Stufe bekunden, auf welcher die Landwirtschaft bei ihnen stand. — Die Juden konnten auch das Inokulieren und Pfropfen (Rosch ha schanah 50) sowie den Einfluß der Winde auf das Wachstum des Getreides (Baba Kama 147.) Zur Erhaltung der Triebkraft des Bodens war bei ihnen eine gewisse Reihenfolge in der Aussaat vorgeschrieben (Baba bathra 106.) Sie verstanden auch die Kunst, den Früchten alle möglichen Gestalten zu geben (Maccoth 13,) aus einer Mischgattung der mala, papanes zu erzeugen. (Ch'laim 1. 2.) «Alle Künste wurden bei den Juden ohne Anstand geübt, blos mit Ausnahme der bildenden Kunst, welche nur sehr beschränkt war, und zwar aus übergroßer Furcht vor dem Bilderdienst." Wir sehen z. B. daß R. Jose ein Baumeister, R. Seli ein Geometer gewesen." Erub. 46. (ibid. § 447). „Es enthält allerdings die jüdische Mystik sehr vieles, was erstens grob sinnlich, fantastisch und ganz absurd scheint. Dahin gehören insbesondere die sogenannten Hagadoth, welche nicht nur von jeher den Nichtjuden «Heiden und Christen) ein Spott, sondern selbst auch vielen Juden, sogar einzelnen Lehrern im Talmud ein Anstoß gewesen sind, und nicht wenig dazu beigetragen haben, das Judentum in Verruf zu bringen und es bei Vielen als eine Religion des unsinnigsten Aberglaubens zu charakterisieren. Besonders wurden diese Stellen mit größter Gehässigkeit von Eisenmenger in seinem „entdeckten Judentum" ausgebeutet. Doch hat man alle Ursache anzunehmen, daß dergleichen groteske talmudische Erzählungen, die auch unter dem Namen „rabbinische Märchen" bekannt sind, nur bildlich gemeint seien, da sie von Männern vorgebracht werden, denen es sonst an klarem Verstand und Scharfsinn nicht fehlt und unter denselben tiefere Weisheit verborgen läge, über welche nach orientalischer Weise der Schleier des rätselhaften gezogen sei. Daher haben von jeher alle sinnvollen tiefer fühlenden Männer, selbst solche, welche auf einen durchaus antimystischen Standpunkt stehen» sich zu Gunsten jener Hagadoth erklärt." «Hieraus ist also doch offenbar zu ersehen, daß das mündliche Gesetz nicht auf einen bloß äußeren toten Werk- und Lippendienst hinauslaufen soll; wie es

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