Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1898)
- Date
- 1898-09-01
- Page
- Seite 206 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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206 ungsfeste von Gott verordnet ist, und wenn die Kirche von Israel späterhin noch mehrere einsetzte, so ist doch selbst der Talmud (Traktat Thanit 22) gegen alle zu übertriebenen Bußübungen, wodurch wie so oft bei den Heiden geschieht, der Leib zerstört wird und der Mensch in Trübsinn verfällt. Denn der heilge Geist wohnt, wie's im Judentum heißt bei keinem Trübsinnigen, sondern nur bei einem freudigen Herzen, (ibid. § 441.) „Die vielfachen Beziehungen in denen das von Gott gegebene jüdische Gesetz zur Natur steht, mußten notwendig die Juden von jeher zu einer genauen Naturforschung führen. Aus dem Talmud ist bekannt, daß Gamaliel Mondtafeln angefertigt habe und sich schon eines Teleskopes bediente. (Erub. 43.) Samuel rühmte sich in den Himmelsstraßen so bekannt zu sein, wie in den Straßen seiner Heimat. Derselbe sagte: „Nur der Gelehrte ist würdig bei Hofe zu erscheinen, der in der Natur- und Sternkunde und in der Dichtkunst sich Kenntnisse erworben hat." Außer den vielen im Talmud zerstreuten astronomischen Notizen legt der jüdische Kalender an sich allein schon ein vollgiltiges Zeugnis von den astronomischen Kenntnissen der Inden ab. Es erhellt aus dem im Talmud gelegentlich vorkommenden Äußerungen, daß sie sich vielmals mit der Untersuchung von Naturgegenständen befaßt haben also das Naturstudium ihnen durchaus nicht so fremd gewesen sei, als man allgemein glaubt." Wir machen hier auf die in neuester Zeit erschienene Schrift: „Die talmudische Medizin von Wunderbar" aufmerksam, in welcher aus authentischen Quellen dargethan wird, wie die Juden die Medizin förmlich als Wissenschaft betrieben haben. Als berühmte Ärzte werden genannt: die Talmudisten Chanina b. Dosa, Schmuel, R. Asu, R. Ami, -R. Chanina, Abay, R. Kahana u. a. m. auch findet man im Talmud Spuren von niagnetischen Heilungen. „Nicht minder wurde aber auch die Anatomie des menschlichen Körpers von ihnen betrieben. Die Schule des Rabbi Jschmael zeichnete sich besonders durch ihre anatomischen Kenntnisse aus. Sie zerlegten die Leichname verurteilter Verbrecher. Aus dem Talmud, besonders-dem Traktat Niddah ist übrigens zu ersehen, welche bedeutenden Kenntnisse die Juden von der Anatomie hatten. Es werden hier anatomische Präparate erwähnt, auf die inan erst in neuerer Zeit wieder gekommen ist. — Im Traktat Chullin wird mit vieler Umsicht von den Fehlern des Gehirns und Rückenmarkes gesprochen, so kennt auch der Verfasser des soharischen Jlea rabbah schon die drei Hauptvrgane des Gehirns und 32 Nervenpaare. Nicht minder findet sich im Talmud eine sehr merkwürdige Stelle aus der sich schließen läßt, daß den Talmudisten auch der Kaiserschnitt an lebendigen Personen bekannt gewesen sein müsse. „Auch die Pflanzenphysiologie wurde von den Juden sehr cultivirt, wozu