Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1898)
- Date
- 1898-09-01
- Page
- Seite 197 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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197 ten Gemeinschaft. Es war eine Zeit mühevollen Kämpfens und Ringens. Die junge Gemeinde, vielen feindlichen Angriffen von Außen, einer schwankenden Unsicherheit von Innen bloßgestellt, glich einem treibendem Schiff auf stürmischem Meere, das einen Rettungshafen suchet. Allmählig beruhigten sich die Kämpfe und unsere Bestrebungen gewannnen mit jedem Jahre festeren Boden und historische Consistenz. Der regelmäßige Gotttesdienst goß immer mehr die Ströme der Andacht und der Belehrung aus über heilsbegierige Scharen, die Religionsschule wirkte immer nachhaltiger bis in die feindlichen Kreise hinein, und in allen diesen Sphären heilvoller Wirksamkeit entfaltete er seine mitwirkende Kraft. Mit dem schönen wohlklingenden Organ, das Gott ihm verliehen, wirkte er als Vorbeter zur Erbauung der Gemeinde, mit der strömenden Erkenntnis aus der großen Geschichte Vergangenheit tränkte und befruchtete er den Geist unserer Kinder. Ja, meine Freunde, wenn es ein Verdienst genannt werden kann, daß an dieser Stätte seit acht bis neun Jahren nicht etwa ein Strom der Rede über neugierige Zuschauer sich ergießt, sondern ein immer neuer und erfrischender Lebensquell der Lehre und der Erkenntnis des Judentums für wißbegierige Zuhörer sprudelt; wenn es bei dem überwiegenden Teil unserer Gemeinde zum Bewußtsein gekommen, daß Religion mehr ist als eine bloße Erregung der Gefühle, Reform des Judentums mehr als ein deutscher Gottesdienst und die Predigt keine bloße Schönrednerei sei, sondern, um mich seiner eigenen trefflichen Worte zu bedienen, die hohe und heilige Aufgabe habe, die Gemeinde zur Kenntnis und Achtung des Altertums zurück zu führen, von dessen bindender Autorität sie sich befreit hatte, so ist das eben sein Verdienst. So sind wir mit ihm, er mit uns durch zehn Jahre voller Mühen und Kämpfe hindurchgegangen und wir stehen noch vor einem schönem Ziele. Die Existenz unserer Gemeinschaft kann nimmermehr in Frage gestellt werden, sie hat einen historisch berechtigten Boden innerhalb der Gemeinde gewonnen. Ob unser Gottesdienst ein jüdischer, echt jüdischer sei, ist keine naive Frage mehr, kann allenfalls eine böswillige genannt werden. Daß unsere Religionsschule trotz aller Schwierigkeit tiefe Wurzel geschlagen hat im Boden der Gemeinde, beweist, daß sie nicht mehr für ihre eigene Existenz zu kämpfen, sondern mit andern durch sie hervorgerufenen zu wetteifern habe. Daß unsere Lehre keine Zerstörung, sondern eine Läuterung und eine Befestigung des Judentums bezwecke, wird von vernünftigen und gerechten Gegnern selbst anerkannt. So sind denn die gefährlichsten Kämpfe hinter uns, und der Mann, der in allen diesen Kämpfen treu und wacker uns begleitet, in vielen uns vorangegangen, soll jetzt von der Höhe des errungenen Standpunktes aus, wie einst Mose von der Spitze des Berges Nebo einen Blick in das schöne Land der Verheißung werfen, selber aber nicht mit uns dahin gelangen, sondern noch diesseits von uns scheiden und uns verlassen. Darum ist es an uns meine Freunde, mit dankbaren Erinnerungen ihm