Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1898)
- Date
- 1898-08-01
- Page
- Seite 191 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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berichtet werden, weiter nichts sind als Gestirnsagen, die auf palästinensischem Boden bestimmte Färbung angenommen haben. »Astralmythen der Hebräer, Babylonier und Ägypter" ist der Titel dieser Publikation (Leipzig, Verlag von Eduard Pfeiffer). Bis jetzt sind die beiden ersten Teile : Abraham und Lot erschienen. Die weiteren Teile sollen Esau, Jakob und Mose behandeln. Stuckens Werk zieht fast sämmtliche Göttersagen-Kreise des Erdballs heran, und er verfügt über ein so ungeheures Material, daß man seine Darlegungen nur mit Staunen folgen kann. Es muß der Fachwissenschaft zunächst überlassen bleiben, Stellung zu Stucken's Arbeiten zu nehmen, aber soviel darf wohl doch gesagt werden, daß er es verstanden hat, die Thatsache als sehr wahrscheinlich festzustellen, daß Abraham ursprünglich das Sternbild des Orion ist, Sarah aber der Sirius. Abraham und Sarah sind die Parallel-Erscheinungen zu Osiris und Isis der egyptischen Mythologie. — Nach dem Verfasser gehen die Erzählungen von Abraham auf zwei babylonische Quellen zurück: auf die Etana-Legende und die Höllenfahrt der Jstar, und er weist nach, daß die gleichen Motive sich in der Etana-Legende und in den Erzählungen von Abraham finden, — ja sogar bis ins Buch der Richter, in die Erzählungen von Simson, haben sich Motive der babylonischen Etana-Legende verirrt. Rebekka ist identisch mit Jstar u. s. f. Die Lot-Sagen bringt der Verfasser in Verbindung mit den Dioskuren, und er weist überzeugend u. A. nach, daß Lots Weib identisch ist — mit Niobe! Isaaks Opferung und Jsmaels Verstoßung sind das palästinensische Analogon zu der nordischen Egil-Sage, aus der bekanntlich die Tellsage hervorgegangen ist. So unglaublich es klingen mag: die Tellsage und die Erzählung der Genesis von der Opferung Isaaks durch seinen Vater Abraham im Lande Morija — haben einen und denselben Urmythus als Wurzel. — Diese wenigen Hinweise mögen genügen, um darzuthun, daß die Stucken'schen Arbeiten Perspektiven auf ganz ungeahnte Beziehungen in der Sagen- und Religionsgeschichte eröffnen. — Von den Mitteilungen des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde in Berlin ist Heft II erschienen. An der Spitze steht ein Aufsatz von Georg Minden, der die gegenwärtige Situation treffend schildert. Hierauf folgt eine sehr wertvolle religionsgeschichtliche Studie über das Gebet in der Muttersprache von einem Theologen, die den Nachweis führt, daß die hervorragendsten Autoritäten des Judentums die Berechtigung, ja die eventuelle Notwendigkeit des Gottesdienstes in der Muttersprache jederzeit vollauf anerkannt haben. Ein Aufsatz von Rechtsanwalt B. Breslauer über das Zusammenwirken der Verwaltungskommissionen der jüdischen Gemeinde giebt aus praktischer Erfahrung sehr beachtenswerte Anregungen. Mit dem Vortrage des Herrn Rabb. vr. Vogelstein gegen den Zionismus schließt das Heft würdig und wirkungsvoll ab. Im Verlage von E. Pierson in Dresden find erschienen: Adolf Teichert Neue Gedichte. Wir fühlen uns bei der Lecture dieser Gedichte: Sociales und