Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1898)
- Date
- 1898-08-01
- Page
- Seite 189 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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ISO — gleich mißliebig gewordene Stück hat am Freitag im Deutschen Theater einen Aufführungs-Erfolg gehabt, der überraschen mußte. Mehrfach wurde bei offener Szene stürmischer Beifall laut. Er galt aber nicht der Tendenz des Stückes, sondern den Darstellern." Von welchem Stück hier die Rede ist, niemand wird es erraten: Es ist Lessings „Nathan der Weise, von dem mit solchen Worten gesprochen wird. Weit leichter wird man erraten, daß die Kritik die der Kreuzzeitnng ist, die so genau weiß, was bei Juden mißliebig ist. Der Kulturgeschichtsschreiber unserer Tage wird diese Besprechung als einen wertvollen Beitrag und Beleg für die Anschauungen betrachten, die Ausgangs des 19. Jahrhunderts in gewissen Kreisen geherrscht haben. Meferate und Witteitungen. Geschichte der Juden in Kremsier mit Rücksicht auf die Nachbargemeinden Nach Original-Urkunden dargestellt von Rabbiner Dr. Ad. Frankl-Grün II. Teil (1848—1898) Com.-Verlag von I. Kauffmann Frankfurt a. M- 1898. Diese Arbeit reiht sich dem ersten Teile würdig an und gewinnen wir durch dieselbe einen richtigen Einblick in die Emanzipationskämpfe der mährischen Juden, von denen bis zum Jahre 1848 nur 5400 offizielle Familien bestehen dursten. Auch die Stellung des Landesrabbiners S. R. Hirsch, der in Mähren sowohl bei den freisinnigen wie bei den orthodoxen Rabbinern, denen beiden er als Talmudist nicht ebenbürtig war, findet eine ausführliche objektive Behandlung. Fasset schrieb über ihn: «Ein Mann, der Israels Pflichten festsetzen und noch dazu Landesrabbiner ist, sollte dieselben kennen", oder ein „Landesrabbiner sollte doch ein wenig Talmud verstehen" (S. 18). Interessant ist die Mitteilung (S. 26) wonach der Minister Graf Thun bei einer Audienz zu dem Landesrabbiner Abr. Placzek sagte: Sie alter Graukopf, Sie huldigen auch den modernen freiheitlichen Ideen," worauf dieser schlagfertig antwortete: „Exellenz mein Haar ist grau, aber meiu Herz ist jung." Bezeichnend ist, daß die Österreichische Behörde mit Erlaß vom 1. bis 5. August 1855 einem jüdischen Leserverein in Kremsier in seiner Verbindung mit Dr. Ludwig Philippson und dem Litteraturverein in Magdeburg entgegentrat (S. 28). Am 7. Februar 1859 wurde die Gründung einer jüdischen Kultusgemeinde in Brünn bewilligt, nachdem 1852 die Anlage des Friedhofes und 1853 der Bau des Tempels gestattet wurde. S. 68—90 ist der Lösung der Kremsier Friedhofsfrage gewidmet, wobei uns besonders das Gutachten des Oberlandesrabbiners Nahum Trebitsch vom 17. Februar 1835 intressiert." Die folgenden Abschnitte gehören eigentlich noch nicht der Geschichte an und gelten der Kaiserzusammenkunft 1885, dem Blutmärchen 1888 und dem Einzuge des Fürstbischofs