Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-08-01 · Heft 8 (1.8.1898) · p. Seite 186

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 8 (1.8.1898)
Date
1898-08-01
Page
Seite 186 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2969669-2969851-2969860--5464-2974766
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

186 Gerechtigkeit und Vernunft, sondern mit der gewundenen Erklärung: „er habe sich früher gegen die Gleichstellung ausgesprochen, weil er vorausgesehen, daß, wenn man den Juden in Gemeindeangelegenheiten, im Richterstande und in der Verwaltung dieselben Rechte zuerkenne wie den Christen, man ihnen zuletzt auch das Amt als Gesetzgeber nicht verweigern könne. Da man nun abcr die Juden einmal zu jenen Rechten zugelassen habe, so lasse sich auch ihr Eintritt in's Parlament, wenn sie von Christen erwählt würden, nicht mehr hindern. Um indessen ein Gegengewicht gegen dieses Zugeständnis zu schaffen, das Parlament nicht zu entchristlichen und die Beziehungen zwischen Kirche und Staat nicht schwächen zu lassen, müsse man nun Maßregeln treffen, durch die der Kirche hinfort größere Kraft verliehen werde." Theater, Wustk und bildende Kunst. Am Fuße des Berges Mithredat, in der Nähe von Feodossia, befindet sich eine bereits 13 Jahrhunderte alte Synagoge. In den letzten Jahren der Herrschaft der Chane wurde sie zerstört und mit Sand und Schutt verschüttet. Nach der Vereinigung der Krim mit Rußland befahl die Kaiserin Katharina, die Synagoge zu restaurieren, und im August 1788 wurde in derselben nach langer Zeit wieder ein hebräischer Gottesdienst abgehalten. Das Gewölbe der Synagoge wird durch vier Säulen gestützt, deren zwei aus Marmor und zwei aus Granit bestehen. Früher waren alle vier marmorn, doch in den Vierziger Jahren brachte der Karaite Abraham Firkowitsch zwei Marmorsäulen, alte Handschriften der Thora und eine Anzahl anderer alter Pergamente nach St. Petersburg, wo dieselben der öffentlichen Bibliothek übergeben wurden. An eine der Säulen der Synagoge ist eine viereckige Tafel mit einer auf das Alter der Synagoge hinweisenden Inschrift angebracht. Diese Inschrift lautet: „Durch Menschenweisheit ist dieses Haus errichtet worden. Der Messias wird kommen und dein Volk Israel, sammeln, im Jahre 673" (d. h. im Jahre 918 der christlichen Zeitrechnung). Über dem Altäre befindet sich eine Inschrift, welche darauf hinweist, daß die Thür zum Allerheiligsten vor 602 Jahren hergestellt worden ist. Im Hofe der Synagoge ist ein zu den heiligen Waschungen bestimmter Brunnen vorhanden, auf dessen Wänden folgende Inschrift zu lesen ist: „Der erleuchtete, allgemein geachtete und weise Rabbi Meir Aschkenas, die Zier und der Stolz Israels, ist im Jahre 389 (d. h. 638) im Herrn verschieden. Die Thränen der Nachkommen Abrahams, Isaaks und Jakobs benetzen seine Asche." Die Synagoge ist so klein, daß sie kaum für 50 Beter Platz bietet. Die Einwohner von Feodossia wollen sie durch einen Anbau vergrößern. — Mark Gmain hat das Langmann'sche Schauspiel „Bartel Turaser" ins Englische iibersetzt. Wahrscheinlich wird es im Herbst

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.