Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1898)
- Date
- 1898-08-01
- Page
- Seite 185 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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185 der Sage auf dem Berg 1aklit-i-8u1simg,n (Sitz Solomons) längst ansässig gewesen sein, ehe der Mohammedanismus austam. Ein großer Teil der Afghanen soll seit undenklichen Zeiten den Namen Yusufzais, d. h. Nachkommen Josephs, d. h. der Stämme Ephraim und Manasse, ftihren. Zahlreiche uralte afghanische Sitten weisen zudem auf israelitischen Ursprung hin. So das Gebot, die Wittwe des verstorbenen Bruders zu heiraten, und die Steinigung als Todesstrafe. Viele Inschriften in Afghanistan lassen sich gar nicht anders erklären, als wenn man sie in das Hebräische übersetzt. — Die größte Schule der Welt ist die jüdische Schule in Whitechapel (London). Sie zählt 3500 Schulkinder und 100 Lehrer. Die Kinder rekrutieren sich aus den allerärmsten jüdischen Familien des Ostendes. Die Anstalt könnte sich nicht halten, wenn Rothschild ihr nicht reiche Zuwendungen machte. Jeder Schüler, der es wünscht, erhält Morgens freies . Frühstück. Außerdem schenkt Rothschild einmal oder zweimal jedem Kinde der Schule einen neuen Anzug. — Wie die „Jewish World" meldet, gelang es dem Herrrn Dr. Gaster, Chacham der portugiesischen Gemeinde, eine Schreibmaschine für hebräische Schrift zu konstruieren. Es waren bedeutende technische Schwierigkeiten zu überwinden, nicht nur wegen der von rechts nach links erfolgenden Schreibweise, sondern auch um das Schreiben mit Accenten und Vokalisationszeichen zu ermöglichen. Dr. Gaster hat das Iost-System für seine Erfindung benutzt und bereits seit einiger Zeit praktisch erprobt, so daß dieselben wohl bald in den Handel gebracht werden diirfen. Namentlich für die Staaten Osteuropas ist die Erfindung von großer Tragweite. — In dem englischen Unterhause richtete kürzlich der Abgeordnete Pickersgill eine Anfrage an den Staatssekretär des Innern, ob in der That in dem Gefängnis von Wormwood Scubbs eine Synagoge eingerichtet worden sei und wieviel Gefangene jüdischen Glaubens sich dort befinden. Der Staatssekretär antwortete darauf, daß in diesem Gefängnis sich gegenwärtig nur 37 jüdische Gefangene befinden, eine sehr kleine Ziffer für die große Zahl von Juden in London. Dennoch sei auch für diese eine Synagoge nötig und ist dieselbe deshalb errichtet worden, ebenso wie eine katholische Kapelle; es finden daselbst regelmäßige Sabbatgottesdienste statt. — Zur Stellung Gladstone's zur Judenemancipation erinnert Carl Blind: Wenig oder gar nicht bekannt ist wohl, daß Gladstone in älterer Zeit dem Anträge auf bürgerliche Gleichstellung der Juden entgegentrat. Eine Schwenkung machte er erst als Baron Rothschild zum Unterhausmitgliede für die Londoner Altstadt erwählt wurde. Nichts stand nach englischem Gesetze selbst damals solcher Wahl und dem Eintritte ins Parlament entgegen, wenn ein Jude nur den vorgeschriebenen Eid leistete. Dieser Eid bestand zufällig darin, daß der Eintretende sich als — Christ bekennen mußte. An solchen Scherzen ist die englische Gesetzgebung ziemlich reich. Es hat mancherlei Kämpfe gekostet, bis der Unsinn abgethan wurde. Als Gladstone sich schließlich in das Unvermeidliche fügte, tyat er es nicht aus grundsätzlichem Übertritt zur