Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1898)
- Date
- 1898-08-01
- Page
- Seite 184 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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-rr J84 — des Genusses seines Schauspiels teilhaftig geworden wäre. Ich betrachte, was mich anbelangt, diese Campagne des Antisemitismus als eine Krankheitserscheinung von der größten Bedenklichkeit, als ein Zeichen der in seltsamer Weise verwirrten Lage einer großen Nation, die ihre Vergangenheit vergißt, nicht an ihre Zukunft denkt und Gefahr läuft, in die schlimmsten Abenteuer hineingerissen zu werden, wenn sie sich nicht mit einer gewaltigen Anstrengung auf's Neue in dem starken Gefühle des Rechts und der Gerechtigkeit emporrafft." — Das Amtsblatt in Kom veröffentlicht ein königliches Decket, mittelst welchem die jüdische Gemeinde ermächtigt wird, am Tiberstrande ein Terrain anzukaufen und auf demselben eine neue Synagoge zu erbauen. Die Kultusgemeinde will für diesen Bau eine Viertel Million Lire verausgaben. — Eine überaus wichtige Entdeckung auf jüdisch-litterarischem Gebiete machte der bekannte Altertumsforscher Schechter, Professor an der Cambridge-Universität. Der Genannte begab sich im Dezember v. I. nach Kairo behufs Erwerbung alter hebräischer Manuskripte, deren es dort bekanntlich noch eine große Anzahl gibt, teilweise dem grauen Altertum entstammend. Namentlich in einem Bibliothek-Zimmer einer uralten Synagoge vermutete man in dieser Hinsicht reiche Schätze. Und der Gelehrte sollte sich nicht getauscht haben; er fand Antiquitäten von unschätzbarem Wert. Es wurde Schechter freigestellt, mitzunehinen, was ihm beliebte und so führte er denn 40,000 dieser alten Schriften mit sich nach England behufs weiterer Untersuchung. Natürlich wird noch lange Zeit darüber vergehen, bis alles gesichtet, geordnet und geprüft sein wird, aber schon jetztsteht man vor Entdeckungen, wie sie seit langer Zeit nicht gemacht worden. Bibeln, die bis weit über 1000 Jahre alt sind, niit oder ohne Randbemerkungen damaliger Gelehrter; wiederum solche mit einer jüdischen Schrift, durchaus verschieden von den uns bekannten Schreibweisen; Liturgische Hymnen und Gebete von Dichtern, deren Namen uns unbekannt sind. Ebenso befinden sich darunter verschiedene Exemplare der beiden Talmude und der Midraschim mit bis heute gänzlich unbekannten Erklärungen» und endlich eine Unzahl Tagesfragen behandelnde Besprechungen, die für den Geschichtsforscher von hohem Interesse sind. Außerdem eine Ausgabe vom Buche Sirach, die in manchen Stellen von der uns bekannten verschieden ist. — Man berichtet aus London: Die Afghanen halten sich bekanntlich für Nachkommen der verloren gegangenen Stämme Israels. In der „Calcutta Review“ wird darauf aufmerksam gemacht, daß mancherlei die anscheinend seltsame Tradition unterstützt. Die gewöhnlichsten Namen der Afghanen sind hebräisch: Uusuf (Joseph), Jakob (Jakob) und Jshak (Isaak). Die modernen Afghanen nennen sich noch heutigentags „Kinder Israels". Die jüdische Geschichte widerspricht der Tradition der Afghanen nicht. Sie erzählt, daß die zehn verlorengegangenen Stämme nach Medien und Mesopotamien auswanderten und daß sie anderthalb Jahre auf der Wanderung waren, bis sie in ein Land kamen, Azaroth geheißen. Wenn Azaroth wirklich Afghanistan bedeutet, so erklärt sich mancherlei. Die Juden sollen nach