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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-08-01 · Heft 8 (1.8.1898) · p. Seite 182

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 8 (1.8.1898)
Date
1898-08-01
Page
Seite 182 (sequence 14)
Language
German
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182 Der russische Schriftsteller S. I. Wanassewih, ein Freund Leo Tolstois, ist jüngst in Berlin gestorben. Der Verstorbene war lange Jahre hindurch vereidigter Translator und Censor für hebräische Sprache in Moskau und kam daselbst vielfach mit Tolstoi zusammen, der ein häufiger Gast des früheren Moskauer Oberrabbiners zu sein pflegte. Mit Hilfe Manassewitzs lernte Tolstoi die Bibel und die sonstigen Religionsbücher im Urtext kennen, ein Studium, das ihm für seine späteren Werke reiche Anregungen bot. — Am 2. Mai waren es 25 Jahre her, seit dem Herr Rabbiner Dr. Klick in Lissa Schulinspektor der dortigen israelitischen Schule ist, und zugleich vollendete Herr Hauptlehrer Kerbst das 25. Jahr seiner Thätigkeit an dieser Schule. Zur Würdigung dieses Doppeljubiläums fand eine Feier in der Aula statt. — Erzbischof Cohn aus Olmütz ist jüngst wieder Gegenstand heftiger Angriffe gewesen. Die antisemitischen Zeitungen berichten, er solle sein Einkommen falsch angegeben haben, auf den Gütern Juden bevorzugen u. a. m. Dazu schreibt man aus Olmütz: Es ist unwahr, daß der Herr Erzbischof von Olmütz ein getaufter Jude ist. Wahr ist vielmehr, daß derselbe als Christ geboren wurde. Es ist unwahr, daß das jährliche Einkommen des Erzbischofs 1 000 000 Gulden beträgt. Wahr ist vielmehr, daß es, wie in Olmütz allgemein bekannt ist, jährlich 500000 Gulden beträgt. Es ist unwahr, daß dem Erzbischof seitens der Steuerbehörde das Einkommensteuer-Bekenntnis zurückgeschickt wurde, weil er weniger, nämlich bloß 115 000 Gulden als jährliches Einkommen angegeben hätte. Wahr ist vielmehr, daß der Erzbischof sein Einkommen mit 500 000 Gulden angegeben hatte. Doch hatte er eine unrichtige Auffassung über einige der Abzugsposten, was durch die Steuerkomission bereits richtig gestellt wurde. Es ist ferner unwahr, daß seine Besitzungen an Juden verpachtet sind. Wahr ist vielmehr, daß die Anzahl der jüdischen Pächter eine ganz geringe ist. — In feierlicher Weise fand am 16. Mai die Schlußsteinlegung des zum Andenken an das Regierungsjubiläum des Kaisers erbauten Jubiläumstempel im 10. Bezirke, Ecke Keplergasse und Humboldplatz in Wien statt. Das im romanischen Stile erbaute Gotteshaus wird von einer mächtigen Kuppel gekrönt und gewährt durch seine stilvolle, vornehme Ausführung einen stattlichen Eindruck. Gemeinderat Staßny hielt an die Festversammlung in Vertretung des Bürgermeisters eine kurze Ansprache, in der er sie Namens der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien begrüßte. Das Huldigungstelegramm, welches sodann an den Kaiser nach Budapest gesandt wurde, ward in der huldvollsten Weisen beantwortet. — In Kirchdrauf starb Rabbiner Peter Singer im Alter von 83 Jahren. Seine Gelehrsamkeit wurde in allen Kreisen hoch geschätzt. — Der vor zwei Jahren verstorbene Herr Adolf Wachlup in Kudapest verfügte in seinem Testament, daß von seinem Vermögen die Summe von 400000 Kronen ungeteilt einenr einzigen humanitären Zwecke zugeführt werde. Die Testamentsvollstrecker haben nun diesen Betrag dem ungarländischen Verein vom Roten Kreuz

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