Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1898)
- Date
- 1898-08-01
- Page
- Seite 181 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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181 \ mal die Studien in Heidelberg auf, 1883 wurde er Privatdocent, das Jahr darauf Professor. Seine mathematischen Untersuchungen über die Funktionstheorie verraten großen Scharfsinn; auch war er ein gründlicher Kenner der hebräischen Geschichte und Literatur. Die Mischnath hamiddoth gab er nach einem Manuskript der Hof- und Staatsbibliothek in München heraus. In der letzten Zeit wandte er sich der zionistischen Bewegung zu. — In Imeibrücken starb am 18. Mai unser geschätzter Mitarbeiter Herr Bezirksrabbiner Dr. I. Mayer. In ihm hat das Judentum einen ebenso tüchtigen wie eifrigen Vertreter verloren. Wir werden unserem Freunde und Mitarbeiter ein ehrendes Andenken stets bewahren! — Das israelitische Krankenhaus in Gailingen, das am 11. August 1892 seine segensreiche Thätigkeit begonnen, versendet seinen ersten Rechenschaftsbericht. Möge diese Anstalt, die durch Stiftungen und Beiträge erhalten wird, entsprechende Beihülfe und Förderung finden. — Man berichtet uns von Kirkenfrld am 25. Mai: Letzten Sonntag hielt Herr Landrabbiner Dr. Loevy im Pfälzer Hof eine Versammlung der israelitischen Lehrer des Fürstentums ab. Dieselben waren vollzählig erschienen. Aus den Verhandlungen, welche sich um spezielle Unterrichtsfragen und die Einwirkung des Lehrers auf die Berufswahl der Kinder drehten, ist besonders die Begründung eines zweimal monatlich stattfindenden Fortbildungskurses in der jüdischen Geschichte und traditionellen Literatur hervorzuheben, welchen Herr Dr. Loevy nach Pfingsten eröffnen wird. Das lebhafte Interesse, welches dieser voin Herrn Landrabbiner angeregten Einrichtung entgegengebracht wird, gab sich dadurch kund, daß sämmtliche Mitglieder der Versamnilung ihre Beteiligung daran zusagten. — Gegen das Christentum schreibt der Dühringianer, G. Hkmmrlserb im „Mod. Völkergeist" (Nr. 97, S. 175): „Der Zweck des Lebens ist nach christlicher Auffassung nicht die Befriedigung der Lebenstriebe, sondern nur eine Vorbereitung für's ewige Leben im Himmel. Durch eine solche Ansicht wurden nicht nur viele naturwüchsige Triebe lahmgelegt, sondern auch der gesunde Verstand verdunkelt. Die alten Germanen wurden mit einer trostlosen Lebensanschauung künstlich verdummt und stumpf gemacht gegen das wirkliche Leben. Der einst so stolze Germane, der seinen Göttern frei und aufrecht gegenüberstand, wurde verleitet, auf den Knieen herumzurutschen. Jüdische Eigenschaften, wie der Knechtssinn und Heuchelei, wurden am Germanen, wenigstens bis zu einem gewissen Grade künstlich gezüchtet. Das Christentum war schädigend für Verstand und Gemüt, es hat den wüstesten Fanatismus entfesselt und grausame Verbrechen erzeugt. Das Christentum war und ist heute noch das größte Hindernis des Fortschritts. Und da wagen es deutschchristliche Faselhänse, von den Kultureinflüssen des Christentums zu reden! Nein — was wir seit einem Jahrtausend erreicht haben, haben wir nicht durch das Christentum, sondern trotz dem Christentum erreicht." — In Myslowih starb im Alter von über 80 Jahren der Nestor der oberschlesischen Rabbiner, Herr Dr. Hirsch Jaffs. —