Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1898)
- Date
- 1898-08-01
- Page
- Seite 180 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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1897. Verlag von Otto Wiegand. Preis 9 Mark.) Sehr interessant und beachtenswert ist das Urteil über den Antisemitismus. Schon der Name „Antisemitismus," sagt Otto Henne-Am Khyn, sei verrückt, weil sich die Partei keineswegs gegen die wirklichen Semiten, wie Araber und Abessynier, sondern nur gegen die national gemischten Juden wendet, welche längst keine reinen Semiten sind. „Es gibt auch schon", so heißt es weiter, „Antisemiten, welche sich auch gegen das Christentum, als einen Ausfluß des Judentums, wenden, ja sogar von einer Rückkehr zum althergebrachten Wotansglauben schwärmen." .... „Die Antisemiten stellen zwischen Ariern und Semiten einen Unterschied auf, wie ungefähr zwischen Engeln und Teufeln." .... „Nachdem die Antisemitenpartei in Deutschland seit einigen Jahren, Dank dem Treiben eines Ahlwardt und den Wandlungen des ehemaligen Hofpredigers Stöcker, total zerfallen ist und nur dem Namen nach ein Scheinleben führt, hat sie ihr Hauptquartier in Wien unter dem vom Liberalismus zum Clericalismus übergetretenen gewandten Agitator Dr jur. Lueger aufgeschlagen und den Gemeinderatssaal erobert. Doch beginnt auch dort bereits ihre Zerklüftung." .... „Die Literatur für und gegen den Antisismus ist eine sehr fruchtbare in quantitativer, weniger in qualitativer Beziehung, denn vernünftige Menschen und Nichtfanatiker sollten über die Judenfrage längst hinaus sein." — In Kieleseld haben die Gemeindebehörden beschlossen, alle 2—3 Wochen einen Sonntagsgottesdienst abzuhalten. — Eine jüdische Gemeindebibliothek soll in Kerlin mit großem Kostenaufwande errichtet werden. Das Repräsentantenkollegium der Gemeinde beschloß, den Vorstand zu beauftragen, eine bezügliche Vorlage auszuarbeiten. Es soll dadurch eine Art Centralstelle für die Wissenschaft des Judentums und die jüdische Geschichte geschaffen werden. — Die „Kreuzzeitung" ist bei ihrem Bestreben, für alles Schlechte in der Welt die Juden verantwortlich zu machen, wieder einmal etwas unvorsichtig gewesen. Sie hatte wiederholt durchblicken lassen, daß der Chicagoer Getreidespekulant Lewi Josef Leiter ein Jude sei. Dem gegenüber ist es interessant zu hören, daß Leute, die zwar keinen Unterschied zwischen christlichen und jüdischen Jobbern und Wucherern machen, aber neugierig waren, ob Herr Lewi Josef Leiter wirklich der ist, wofür ihn die Agrarier ausgeben, in Amerika bei Personen, die es wissen können, anfragten, wie es um die Abstammung des Chicagoer Spekulanten steht. Und siehe da, die Kabelantwort lautete: „Garantierter Vollblutarier von reinstem Wasser". — Der außerordentliche Professor der Mathematik in Heidelberg, Herr vr. Hermann Schapira ist auf einer Reise in Köln einer Lungenentzündung erlegen. Schapira, ein Russe, geboren 1840 zu Erswilken bei Tauroggen, hat erst ein Alter von 58 Jahren erreicht. Er war früher Kaufmann und fing erst zu studieren an, als er 28 Jahre alt war und die zum Studium nötigen Geldmittel erspart hatte. Dann ging er nach Berlin auf die Gewerbeakademie, wurde wieder Kaufmann in Odessa und nahm 1882 noch ein-