Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1898)
- Date
- 1898-08-01
- Page
- Seite 177 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2969669-2969851-2969860--5455-2974757- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
177 „Nicht mit dem Schwert nur Alexanders Zerhaut den gord'schen Knoten man, Mir zeigt das Wörterbuch von Sanders, Daß auch Geduld ihn lösen kann." In den Jahren 1859—65 erschien endlich nach einer fast anderthalb Decennien umfassenden ungeheuren Vorarbeit Sanders' großes „Wörterbuch der deutschen Sprache. Mit Belegen von Luther bis auf die Gegenwart." Aber schon vorher, sobald Sanders nur den ersten Teil seines Manuskripts fertiggestellt hatte, drängte es ihn, das Urteil des größten damaligen Germanisten, des eigentlichen Begründers der deutschen Philologie, das Urteil Jacob Grimm's über sein Werk einzuholen. Und der vielbeschäftigte Gelehrte schreibt ihm aus Berlin Ende August 1847: „Bleiben Sie ihrem Vorsatze treu, eine so sorgsame und reiche Sammlung bald herauszugeben; ich freue mich im voraus darauf, sie dann recht ordentlich zu genießen; ich bin mit aufrichtiger Hochachtung, aber eilender Feder Ihr ergebener Jakob Grimm." Und als dann endlich nach geraumen Jahren das Werk im Druck erschien, empfing Sanders von allen Seiten, aus Freundeswie aus Gelehrtenkreisen, Schreiben der höchsten Anerkennung, welcher, wenn auch etwas abgeschwächt, sich selbst der etwas reservierte Alexander von Humboldt nicht enthalten konnte. Wie beliebt Sanders, wo man ihn nur kannte, war, welche Verehrung man ihm darbrachte, wie hoch man seine wissenschaftlichen Leistungen schätzte, das kam so recht an seinem siebzigjährigen Geburtstag zum Ausdruck. An jenem Ehrentage erhielt Sanders über 400 briefliche und telegraphische Glückwünsche; was ihn aber am meisten beglückte, wodurch er sich besonders geehrt fühlte, das war die von Dr. Friedrich Düssel herausgegebene Festschrift mit zahlreichen Festgrüßen hervorragender Männer, wie du Bois-Reymond, Bodenstedt, Franzos, Carriere, Rodenberg, Trojan, Rhangabe. A. K. Rhangabe, ein Grieche, war ein Jugendfreund Sanders' gewesen, der seinem Genossen ein reges Interesse für Neugriechenland und neugriechische Literatur eingeflößt hatte. 1845 gab Sanders als Frucht seiner neogräzischen Studien, einige Volkslieder der Neugriechen heraus und 36 Jahre später, zusammen mit seinem Freunde, eine Geschichte der neugriechischen Literatur. Und als Sanders vom nichts verschonenden Tode ereilt ward, da schrieb der Sohn jenes schon vorher dahingeschiedenen Rhangabe an den Senator Sanders: „Ich beweine mit Ihnen den schmerzlichen Verlust. Der große Gelehrte und Philhellene wurde allgemein bei uns geehrt und das dankbare griechische Volk wird ihm ein ewiges Andenken bewahren." Edle und tüchtige Männer sind es, deren Urteil wir über Sanders vernommen haben, Männer, die zu den besten ihres Volkes gehören, die den edlen