Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1898)
- Date
- 1898-08-01
- Page
- Seite 176 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Daniel Sanders bewiesen ... So hat der verdienstvolle jüdische Professor für das deutsche Volk und dessen Sprache mehr gethan, als mancher in Rassen- Chauvinismus verstiegene arische Politiker." Und Gustav Karpeles schreibt in ähnlichem Sinne: „ . . . für mich bleibt das Charakteristische und Rührende an seiner Erscheinung, daß er dem deutschen Volke gezeigt, wie sehr die Juden in das Kulturleben ihres Vaterlandes eingegangen, und daß er andrerseits den deutschen Juden den Weg gewiesen, auf dem sie in diesem Kulturleben zu Sitz und Stimme gelangen können." Reinhold Ortmann bewundert den rastlosen Fleiß und die emsige Thätigkeit des Gelehrten, der sich selbst in der Sommerfrische, am Ostleegestade, keine Ruhe gönnte. Reizvoll versteht es Ortmann zu schildern, wie Sanders nur dann auf einige Minuten seine eilende Feder ruhen ließ, wenn seine zahlreichen kleinen Freunde und Freundinnen ihn besuchten: „Da ging es denn wie eitel Sonnenschein über das wachsbleiche Gesicht, die matten Augen leuchteten auf und die fleißige Feder hatte mit einem Male' Ruhe. Der große Sprachforscher war ein Kinderfreund, wie es nur wahrhaft gute Menschen sein können. Stundenlang konnte er ihnen selbstersonnene oder dichterisch umgestaltete Geschichten erzählen; ein naiv herzliches oder schelmisches Wort von roten Kinderlippen konnte ihm tagelang Freude machen . . ." Über das einnehmende, bescheidene Wesen Sanders', seine nie versiegende Liebenswürdigkeit, die auch den ünwissenden nicht hochmütig abwies, sind sich alle einig, die ihn näher gekannt haben. Seine außerordentliche Zurückhaltung und Bescheidenheit zeichnet ihn, so meint Armin Brunner, rühmlichst vor den anderen Sprachforschern aus; in Sanders' Schriften findet man nie die Ausdrücke „falsch dumm, Unsinn," sondern stets ein artiges „besser, wohl richtiger, üblicher, vorzuziehen." Die gewaltige Schaffensthätigkeit Sanders' wird von Ernst Ziel edel bezeichnet: „Die Arbeit, die er gethan, sie war so groß wie sie still, so reich wie sie anspruchslos war, und in beiden war sie eine Arbeit, wie ihres gleichen nur wenige vollbracht wurden in diesem arbeitsvollen Jahrhundert." Julius Stettenheim, der stets Vergnügte, nennt Sanders in einem humorvollen Gedichte einen Herkules, der den Augiasstall der deutschen Sprache reinigte: „. . . Ein solcher Stall nach unterlass'nem Fegen War unsre Sprache leider lang genug, D'rin hat auch ungemein viel Mist gelegen, Der stand in einem schrecklichen Geruch ..." Dreizehn lange Jahre brauchte Sanders, um sein gewaltiges Reinigungswerk, seine Herkulesarbeit zu vollbringen, die Ferdinand Freiligrath „ein Denkmal deutschen Geistes, deutschen Wissens, deutschen Fleißes, deutscher Gründlichkeit, wie es wenige giebt," nannte» und von der Julius Rodenberg singt: