Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1898)
- Date
- 1898-08-01
- Page
- Seite 178 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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- M Kern der Nation bilden. Und es ist wahrlich kein geringer Ruhm, sagt schon Flaceus, den Hervorragendsten gefallen zu haben. Ein solches Lob verhallt nicht im Winde, ihm können die eilenden Äonen nichts von seinem Klange rauben und herrlich tönt es hinein in das entstehende Leben neuer Jahrhunderte. Es wird immer im Gedächtnis deutscher Männer treu aufbewahrt bleiben, was Juden, wie Mendelssohn, Börne, Heine, Beer und Auerbach für den Aufbau der deutschen Sprache geleistet haben. tzin Wrief Zadoc Kahns des Großrabbiners von Frankreich in der Sonntagsfrage. „Paris 15. April 1898. 17 Rue St. Georges. Lieber Herr! Zahlreiche und wichtige Beschäftigungen haben mich verhindert, Ihren werten Brief vom 23. Februar so schnell zu beantworten, wie ich es gewünscht hätte. Ich bitte diese lange Verzögerung zu entschuldigen. Ich habe Ihre Broschüre, die „Forderung des Sonntag-Gottesdienstes" mit dem lebhaftesten Interesse gelesen und ich erkenne die erhabenen Gefühle, welche sie Ihnen eingegeben haben, vollkommen an. Meine Meinung weicht nicht merklich von der Ihrigen ab. Es scheint mir ein Hauptinteresse für das Judentum zu sein, daß unsere Familien und besonders unsere Jugend, dem Gottesdienste nicht ganz entfremdet werden. Deshalb habe ich selber vor zwei Jahren die Initiative eines dem Ihrigen beinahe gleichen Vorschlages ergriffen. Sie finden ihn in dem beifolgenden Artikel des „l’Univers. isra^lite“ des 3. Januar 1896. Dieser Artikel war nicht unterzeichnet, aber ich habe es keinem verschwiegen, daß er von mir ausging, und daß ich ihn geschrieben hatte, um über diese Frage eine freie und genaue Erörterung zu fördern. — Diese Erörterung fand seiner Zeit in unseren zwei Pariser israelitischen Zeitungen statt. Die Meinungen waren sehr verschieden, aber ich muß zugeben, daß die Einrichtung eines besonderen religiösen Gottesdienstes am Sonntag auch in Paris großen Widerstand hervorrief. Das Konsistorium, welches die Verwaltung des Kultus hat, glaubte den Vorschlag, den ich gemacht hatte, nicht annehmen zu können. Nichtsdestoweniger wurde beschlossen, daß am Sonntag Morgen im großen Saale des Konsistoriums regelmäßige Zusammenkünfte für die Jugend beiderlei Geschlechts und deren Eltern gehalten werden sollen. In Folge verschiedener Verhinderungen ist diese Maßregel noch nicht in Kraft gesetzt worden, aber sie wird sicherlich im nächsten Winter zur Ausführung gebracht werden. Wenn, wie ich hoffe, diese Zusammenkünfte mit den daran schließenden Bespre-