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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-08-01 · Heft 8 (1.8.1898) · p. Seite 175

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 8 (1.8.1898)
Date
1898-08-01
Page
Seite 175 (sequence 7)
Language
German
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r " "" """’•' •-*-.--- '" - - - * . ’. ' -. - 175 - AanieL Sanders im Urteil seiner Zeitgenossen. Von Albert Emanuel. Als der hochbetagte, vielgeschätzte Schriftsteller Daniel Sanders dahingeschieden war, herrschte wohl tiefe Trauer in Fach- und Freundeskreisen und zahlreiche Nachrufe wurden dem verdienstvollen Manne gewidmet. Der bei weitem größere Teil unseres lieben deutschen Volkes hatte zu dem allen nur die halb schüchterne, halb argwöhnische Frage: „Wer ist denn Daniel Sanders?!" — Kein Beruf verlangt vielleicht so viel Selbstverleugnung, so viel Bescheidenheit, wie der des Lexikographen. Denn so gewaltigen Fleiß, so rastlose Arbeit er erfordert, die öffentliche Anerkennung pflegt gewöhnlich mit dem ungeheuren Aufwand an Mühe und Zeit in gar keinem Verhältnis zu stehen. Tausenden nnd Abertausenden sind die großen und kleinen „deutschen Wörterbücher" unentbehrliche Freunde, unschätzbare Berater geworden. Unzählige, die ihre Muttersprache lieben und ehren, freuen sich der endlichen Reinigung und Ausgestaltung derselben, ohne des Mannes zu gedenken, der nach Jacob und Wilhelm Grimm der eigentliche Bildner und Hüter unserer deutschen Sprache geworden ist: Daniel Sanders. Mit Freuden kann, man daher eine erst vor kurzem erschienene Schrift begrüßen (Daniel Sanders, ein Gedenkbuch. Herausgegeben von Anna Segert-Stein. Neustrelitz 1897), die auch den weiteren Kreisen Deutschlands ein lebensvolles Bild dieses Mannes geben will, der in stiller, bescheidener Zurückgezogenheit wie kein anderer der Allgemeinheit diente Angesehene Dichter und Schriftsteller haben zu dem Büchlein ihre Beiträge geliefert, und manches schöne, edle Wort wird darin über Sanders liebenswürdige Persönlichkeit wie über seine unsterblichen Leistungen gesprochen. Am 12. November 1819 wurde Sanders in Strelitz geboren. Sein Vater war ein wohlhabender jüdischer Kaufmann, der seinem Sohne eine gediegene Bilung zuteil werden ließ. Nach einem mehrjährigen Studium in Berlin und Halle legte Sanders mit Erfolg seine Doctor- und Staatsprüfung ab und trat 1842 in seiner Vaterstadt, als Dreiundzwanzigjähriger, an die Spitze der jüdischen Gemeindeschule, der er selbst seine erste Ausbildung zu verdanken hatte. Die Reaktion des Jahres 1852 zwang den freigesinnten Sanders jedoch, vom Amte zurückzutreten, und von dieser Zeit ab zieht er sich ganz ins Privatleben zurück, nur mit seinem Studium über die deutsche Sprache und-Grammatik beschäftigt, dem er bis an sein Lebensende treu blieb. Ein eigentümlicher Zufall wollte es, daß Sanders, dieser Meister des deutschen Dialektes, seinem Ursprung nach kein Germane war, sondern der semitischen Rasse angehörte. In schönen Worten spricht sich Dagobert von Gerhardt-Amyntor darüber aus: „Wie Kunst und Wissenschaft zwei leuchtende Sterne sind, irr deren Schein alle konfessionellen und Rassenunterschiede verblassen, das hat uns wiederum

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